Nahaufnahme: Mutter stillt Neugeborenes im Bett.

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Gute Gründe für das Stillen

Für ein Baby ist Stillen in den ersten Lebensmonaten die natürlichste und beste Art der Ernährung. Muttermilch bietet die perfekte Basis für einen gesunden Start ins Leben. Neben der reinen Funktion als Nahrungsquelle hat das Stillen viele weitere Vorzüge für Mutter und Kind.

Vorteile der Muttermilch

Die Zusammensetzung der Muttermilch ist einzigartig und von Natur aus optimal für die Säuglingsernährung geschaffen. Muttermilch enthält mehre Hundert verschiedene Bestandteile, unter anderem alle notwendigen Nährstoffe, Vitamine und Mineralstoffe, die der Säugling für eine gesunde Entwicklung braucht. Die Muttermilch bietet aufgrund der Vielzahl der enthaltenen Enzyme, Hormone, Wachstumsfaktoren und weiteren komplexen Komponenten den besten Schutz vor Allergien und begünstigt die Immunabwehr des Kindes. Keine künstlich hergestellte Säuglingsnahrung erreicht die hohe Qualität von natürlicher Muttermilch.  

Muttermilch ist hygienisch einwandfrei und sofort für das Baby verfügbar, da sie von Natur aus immer richtig temperiert ist. Sie ist optimal verträglich, leicht verdaulich und in der Regel bedarfsgerecht vorhanden. Die Zusammensetzung der Muttermilch passt sich den jeweiligen Bedürfnissen des Kindes an. So ist die Muttermilch, die das Neugeborene bereits beim ersten Anlegen nach der Geburt und in den ersten Lebenstagen erhält (Vormilch oder Kolostrum genannt) zwar mengenmäßig gering, dafür aber sehr dickflüssig und reich an Abwehrstoffen, die das Immunsystem des Neugeborenen stärken. Innerhalb von zwei bis vier Tagen nach der Geburt erfolgt der Milcheinschuss. Der weibliche Körper produziert diese Übergangsmilch im Überfluss, was zu einem schmerzhaften Anschwellen der Brüste führt, aber sicherstellt, dass genug Nahrung für das nun zunehmend hungrigere Baby zur Verfügung steht. Die Milchmenge passt sich relativ schnell dem tatsächlichen Bedarf des Kindes an. Nach zwei Wochen bildet sich die reife Muttermilch.  

Selbst während des Stillvorgangs ändert sich die Zusammensetzung der Muttermilch. So dient am Anfang der Stillmahlzeit die eher wässrige Muttermilch als Durstlöscher für den Säugling, wird aber im Laufe der Stillmahlzeit immer kalorienreicher, fetthaltiger und somit sättigender für das Kind.  

Zahlreiche Studien belegen, dass es keine bessere Ernährung für Kinder in den ersten Lebensmonaten gibt, als die natürliche Muttermilch. Deshalb empfehlen die Weltgesundheitsorganisation (WHO), das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF), die Nationale Stillkommission, die deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) und die Ernährungskommission der deutschen Gesellschaft für Kinderheilkunde und Jugendmedizin, den gesunden Säugling in den ersten sechs Monaten ausschließlich zu stillen. Auch wenn das Kind später Beikost erhält, sollte möglichst weiter als Ergänzung gestillt werden. Wie lange weiter gestillt wird, hängt von der individuellen Situation von Mutter und Kind ab. 

Lachende Frau mit Baby.

Stillen stärkt die Bindung von Mutter und Kind.

Gesundheitliche Aspekte für Mutter und Kind

Beim Stillen stehen meist die Vorteile für den Säugling im Fokus. Allerdings profitieren auch Mütter vom Stillen. Muttermilch ist praktisch, denn sie muss im Gegensatz zu Säuglingsnahrung nicht vorbereitet werden und ist jederzeit verfügbar. Sie verursacht weniger Aufwand und kostet nichts im Vergleich zur industriell hergestellten Flaschenmilch. Auch aus gesundheitlicher Sicht ist das Stillen für Mütter zu befürworten. 

Vorteile für die Mutter

Frauen verbrauchen durch das Stillen Energie, was den oft erwünschten Nebeneffekt hat, dass sich das Körpergewicht nach der Geburt wieder reguliert. Wissenschaftliche Studien gehen zudem davon aus, dass Stillen das Risiko für bestimmte Krebserkrankungen wie Brust- und Eierstockkrebs reduziert. Auch Erkrankungen wie Osteoporose, Diabetes oder multiple Sklerose treten seltener auf.  

Durch das Stillen wird durch die Ausschüttung der Hormone Prolaktin und Oxytocin die Rückbildung der Gebärmutter beschleunigt, was einer Gebärmuttersenkung oder einer Inkontinenz vorbeugt.  

Oxytocin hat eine positive Auswirkung auf die Stimmung der Mutter und wirkt stress- und schmerzlindernd. Dies ist insbesondere in der ersten Zeit mit dem Neugeborenen für Mutter und Kind von Vorteil. Zudem begünstigt die Hormonausschüttung das emotionale Bindungsverhalten. Stillen ist ein sehr harmonisches Element für Mutter und Kind und unterstützt und fördert eine sichere Mutter-Kind-Bindung. Mütter, die stillen, bekommen ein sehr sensibles Gespür für die körperlichen und seelischen Bedürfnisse des Kindes und intensivieren so ihre natürlichen (Mutter-)Instinkte. Das Kind entwickelt durch den häufigen Körperkontakt großes Vertrauen in seine Mutter und fühlt sich sicher und geborgen.

Viele Mütter genießen das Stillen als willkommene Pause im Alltag, um zur Ruhe zu kommen und dadurch auch selbst Kraft zu schöpfen.

Vorteile für das Kind

Stillen hat nicht nur die Ernährung zum Zweck, sondern dient auch der Gesundheitsprävention. Durch den Körperkontakt wird die menschliche Bindungsfähigkeit gestärkt und der Grundstein für eine gesunde psycho-soziale Entwicklung gelegt. Studien belegen, dass gestillte Kinder in ihrer kognitiven Entwicklung positiv beeinflusst werden. Verhaltensauffälligkeiten und Lerndefizite treten seltener auf. Gestillte Kinder sind zudem weniger stressanfällig.

Stillkinder neigen im Vergleich zu nicht gestillten Kindern aufgrund der besseren Immunabwehr weniger zu Allergien oder Neurodermitis. Auch Infektionen der Luftwege, der Harnwege, des Magen-Darm-Trakts und der Hirnhäute treten seltener auf, ebenso Mittelohrentzündungen.  

Durch das Saugen an der mütterlichen Brust entwickeln Babys eine stärkere Muskulatur an Hals und Kopf. Fehlstellungen an Gaumen und Kiefer werden vorgebeugt, was zudem die Sprechentwicklung begünstigt.  

Stillkinder werden später seltener übergewichtig, da Säuglinge durch das Stillen nicht überfüttert werden können. Sie leiden als Erwachsene weniger häufig an Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes oder chronischen Erkrankungen. Auch das Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden, ist geringer ausgeprägt. 

Stillen nach Bedarf

Schon bei der Geburt wird durch eine veränderte Hormonsituation im Körper der Mutter die Milchbildung angeregt und durch zeitnahes Anlegen des Kindes an die Brust unterstützt. Die Milchbildung richtet sich in der Regel immer nach dem Bedarf des Kindes, das heißt, sie wird angeregt durch vermehrtes und häufiges Saugen und geht zurück, wenn das Kind weniger oft an der Brust trinkt. Dem natürlichen Hunger- bzw. Durstgefühl des Babys nachzugehen ist sehr viel sinnvoller, als den Säugling nach einem Zeitplan zu stillen, an den er sich anpassen muss. Je nach Entwicklungsstand des Kindes oder äußeren Umständen (z. B. Hitze im Sommer, Erkrankung des Kindes) kann der Bedarf unterschiedlich hoch sein und reguliert sich meist sehr schnell.  

Mütter, die das erste Mal entbunden haben, sind oft unsicher, ob das Kind genug getrunken hat. Ein Indiz, dass das Kind ausreichend versorgt wurde, sind volle, schwere Windeln. Neugeborene benötigen viele, meist kleinere Stilleinheiten. Zwölf Stillmahlzeiten und häufiger Windelwechsel sind anfangs durchaus normal, was viel Zeit in Anspruch nehmen kann. Säuglinge haben in den ersten Lebenswochen zudem häufiger Stuhlgang als ältere Kinder.  

Besonders wichtig beim Stillen ist innere Ruhe, eine ungestörte Umgebung und eine bequeme Stillhaltung, in der Mutter und Kind sich wohlfühlen. Eine bequeme Stillhaltung dient auch der Mutter zur körperlichen und seelischen Entspannung. Zum Stillen eignet sich ein bequemer Sessel ebenso wie ein Bett oder ein Sofa. Hilfreich sind Stillkissen oder Tragetücher, die auch unterwegs benutzt werden können. Hierdurch lassen sich Verspannungen der Mutter im Schulter- und Nackenbereich vermeiden. Die Stillpositionen sollten bei Bedarf auch gewechselt werden.

Stillen ist gesellschaftlich anerkannt. Neben Wickelräumen stellen viele Geschäfte, Restaurants und öffentliche Institutionen zwischenzeitlich auch geeignete Stillbereiche zur Verfügung. Kommunen gehen vermehrt dazu über, Listen über Still- und Wickelmöglichkeiten als besonderen Bürgerservice zusammenzustellen. So findet sich z. B. im Internet eine Suchfunktion der Stadt Regensburg über öffentlich zugängliche Still- und Wickelmöglichkeiten.

Manche Frauen fühlen sich durch das Stillen in ihrem Bewegungsradius eingeschränkt und befürchten eine Abhängigkeit, die keinen Raum für eigene Unternehmungen ohne Kind bietet. Häufig wird dann gar nicht oder nur sehr kurz gestillt. Eine Alternative bietet hier das Abpumpen von Milch auf Vorrat. Hygienisch abgepumpte Muttermilch ist gekühlt mehrere Tage haltbar, eingefroren sogar mehrere Monate. Die später erwärmte Muttermilch kann dann vom Vater des Kindes oder einer anderen Bezugsperson an das Baby verfüttert werden und ist der künstlich hergestellten Säuglingsnahrung vorzuziehen. Auch Väter genießen es, ihrem Kind auf diese Art nahe zu sein. Milchpumpen können übrigens in Apotheken ausgeliehen werden.