Drei Babys liegen nebeneinander auf dem Bauch.

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Mehrlinge

Mehr als ein Kind auszutragen und auf die Welt zu bringen, verlangt Höchstleistungen von der Schwangeren. Die Freude über den zu erwartenden doppelten, manchmal auch dreifachen Familienzuwachs kann sich mit zwiegespaltenen Gefühlen abwechseln und viele Fragen aufwerfen. Zum Beispiel: Welche Risiken und Belastungen gibt es bei Mehrlingsgeburten und wie ist das Familienleben mit mehreren Neugeborenen eigentlich zu schaffen?

Mehrlingsgeburt

Insbesondere durch die Erfolge der Fortpflanzungsmedizin sind Zwillingsgeburten nicht ungewöhnlich. Seltener sind höhergradige Mehrlingsgeburten wie Drillinge oder Vierlinge. Eineiige Zwillinge entwickeln sich aus einer Eizelle, die sich nach der Befruchtung in zwei Zellkerne teilt. Beide Kinder haben identisches Erbgut, somit auch immer das gleiche Geschlecht und sehen sich oft zum Verwechseln ähnlich. Zweieiige Zwillinge entstehen, wenn innerhalb eines Zyklus zwei Eizellen befruchtet werden. Diese Kinder weisen nur Geschwisterähnlichkeit auf und können verschiedene Geschlechter haben.

Für die Schwangere bedeuten Mehrlinge eine stärkere körperliche Beanspruchung. Deshalb sollten Schwangere mit Mehrlingen besonders auf eine gesunde Ernährung und Lebensweise achten. Der gesamte Halteapparat inklusive Muskulatur und Bindegewebe sind durch das erhöhte Körpergewicht stark beansprucht. Empfohlen wird ein regelmäßiges Beckenbodentraining. Da Mehrlingsschwangerschaften ein höheres Risiko für vorzeitige Wehen und Frühgeburten haben, sind Ruhe und Schonung, vor allem im letzten Schwangerschaftsdrittel für die werdende Mutter besonders wichtig.

Illustration: Zwei Babys im Bett

Mehrlingsschwangerschaften sind eine besondere Herausforderung.

Erhöhtes Risiko für Mutter und Kind

Eine Mehrlingsschwangerschaft wird grundsätzlich als Risikoschwangerschaft eingestuft. Dies bedeutet, dass Vorsorgeuntersuchungen öfter und in kürzeren Abständen erfolgen als bei Einzelschwangerschaften. Auch die Geburt gilt immer als Risikogeburt. Bei Mehrlingsschwangerschaften treten vorzeitige Wehen und Geburten vor dem errechneten Geburtstermin häufiger auf. Zwillinge kommen oft schon um die 37. Woche zur Welt, höhergradige Mehrlinge werden meist noch früher geboren. Bei Zwillingen ist eine normale Geburt möglich, wenn beide Kinder in einer geeigneten Geburtsposition liegen. Bei höhergradigen Mehrlingen wird immer zu einem Kaiserschnitt geraten.

Schwangere von Mehrlingen sollten unbedingt in einer Klinik entbinden, um bei auftretenden Komplikationen umgehend handeln zu können. Aufgrund des geringeren Geburtsgewichts und der Gefahr einer Frühgeburt sollte der Entbindungsklinik idealerweise eine Frühgeborenenstation (Perinatal- oder neonatologisches Zentrum) angegliedert sein. So ist gewährleistet, dass Mehrlinge bei Bedarf sofort die nötige medizinische Hilfe bekommen.

Unterstützung bereits vor Geburt organisieren

Zwei Neugeborene gleichzeitig zu versorgen und sogar zu stillen, ist eine große Herausforderung. Weil Mehrlinge zudem meist als Frühgeburt auf die Welt kommen, brauchen sie besondere Unterstützung. Auch in der Zeit nach dem Krankenhausaufenthalt können eine medizinische Überwachung oder besondere Therapien notwendig sein. Organisieren Sie möglichst schon während der Schwangerschaft ein Netzwerk an Unterstützungsmöglichkeiten. Hilfen durch Verwandte, den Freundeskreis oder die Nachbarschaft bieten sich hier an. Auch eine Haushaltshilfe oder eine Familienpflegerin kann für die erste Zeit hilfreich sein. Diese werden von unterschiedlichen Trägern sozialer Dienste (zum Beispiel Caritas, Diakonie, paritätischer Wohlfahrtsverband) vermittelt. Erkundigen Sie sich im Vorfeld, inwieweit Ihre Krankenkasse anfallende Kosten für diese Hilfen übernehmen wird.

Für alle Fragen zu Schwangerschaft, Geburt und der Zeit danach stehen Ihnen auch die Beratungsstellen für Schwangerschaftsfragen zur Verfügung.

Verlängerter Mutterschutz

Sechs Wochen vor dem errechneten Geburtstermin beginnt der gesetzliche Mutterschutz. Die Mutterschutzfrist nach der Entbindung beträgt bei Mehrlingsgeburten zwölf Wochen (statt normalerweise acht Wochen). Kommen die Kinder vor dem errechneten Termin zur Welt, verlängert sich die Schutzfrist nach der Geburt zusätzlich um die Tage, die aufgrund der vorzeitigen Entbindung nicht in Anspruch genommen werden konnten. Der Mutterschutz bei Mehrlingsgeburten beträgt somit immer 127 Tage. Arbeitnehmerinnen haben während der Dauer des Mutterschutzes grundsätzlich auch Anspruch auf Mutterschaftsgeld.

Hier finden Sie weiterführende Informationen zum Thema Mutterschutz & Mutterschaftsleistungen.

Staatliche Leistungen bei Mehrlingsgeburten

Um dem erhöhten finanziellen Aufwand, den Mehrlingsgeburten für Eltern bedeuten, gerecht zu werden, besteht für viele Sozialleistungen ein höherer Anspruch. Wir empfehlen Ihnen, sich bei den jeweiligen Leistungsträgern nach der aktuellen Rechtslage zu erkundigen und sich entsprechend beraten zu lassen.

Einige der kindbezogenen Leistungen stellen zum Beispiel auf die Anzahl der Geburten ab. So besteht beim Kindergeld für jedes Kind ein eigener Anspruch, der sich in der Höhe nach der Anzahl der Geschwisterkinder staffelt.

Das Elterngeld hingegen ist als Ausgleich gedacht für den Verdienstausfall in der Zeit, in der Sie Ihre Kinder in den ersten Monaten selbst betreuen und erziehen. Sie bekommen deshalb Elterngeld nur einmal, jedoch wird für jedes weitere Kind ein sogenannter Mehrlingszuschlag gezahlt.

Das Bayerische Familiengeld wird bei Mehrlingen für jedes Kind gezahlt. Hierbei wird die finanziell vorteilhafteste Förderung zugrunde gelegt. Das heißt bei Drillingen gilt jedes Kind als drittes Kind mit einem Anspruch von 300 Euro Familiengeld. Auch bei Zwillingsgeburten mit einem älteren Geschwisterkind gilt jeder Zwilling als drittes Kind mit einem eigenen Anspruch von 300 Euro.

Eine Übersicht über die staatlichen Familienleistungen finden Sie hier.

Weitere Hilfen bei Mehrlingsgeburten ab Drillingen

Die Geburt von Drillingen, Vierlingen oder noch mehr Kindern ist ein besonderes Ereignis, das Familien vor große Herausforderungen stellt. So werden sämtliche Anschaffungen anlässlich der Geburt mehrfach benötigt und ein hoher Betreuungsaufwand für die Babys muss bewältigt und organisiert werden. Neben den staatlichen Familienleistungen sind in Bayern weitere Unterstützungsmaßnahmen möglich:

Landesstiftung Hilfe für Mutter und Kind

Die „Landesstiftung Hilfe für Mutter und Kind“ bietet Eltern von Drillingen, Vierlingen oder Fünflingen unter bestimmten Voraussetzungen Unterstützungsleistungen in den ersten drei Lebensjahren der Kinder an. Zur Entlastung bei Erstbeschaffungen anlässlich der Mehrlingsgeburt kann eine einmalige finanzielle Starthilfe gewährt werden. Zudem kommt vielfach eine Bezuschussung zur Finanzierung und Beschäftigung einer Haushaltshilfe oder Kinderbetreuung in Betracht. Daneben vermittelt die „Landesstiftung Hilfe für Mutter und Kind“ auch über weiterführende Vergünstigungen und Angebote und vermittelt unter anderem auch vergünstigte Einkaufsmöglichkeiten bei einem Versandhaus.

In einem Flyer bekommen Sie weitere Informationen zur Unterstützung der Landesstiftung bei Mehrlingsgeburten ab Drillingen.

Ehrenpatenschaft des Ministerpräsidenten

Der Bayerische Ministerpräsident übernimmt für Geburten ab 01.01.2018 auf Antrag die Ehrenpatenschaft für Mehrlinge ab Drillingen, die ihren Hauptwohnsitz in Bayern haben und die deutsche Staatsangehörigkeit oder die Staatsangehörigkeit eines anderen EU-Mitgliedsstaats besitzen. Mit der Ehrenpatenschaft ist eine einmalige finanzielle Zuwendung von 1.000 Euro je Kind verbunden. Mit der Übernahme der Patenschaft erkennt der Freistaat Bayern die besonderen Herausforderungen für die Familie an, die sich aus einer Mehrlingsgeburt ergeben.

Mehr Informationen zur Ehrenpatenschaft erhalten Sie in der Bekanntmachung des Bayerischen Ministerpräsidenten.

Familienpaten und Familienstützpunkte

In Bayern bieten ehrenamtliche Familienpaten Familien Unterstützung für einen begrenzten Zeitraum. Familienpaten stärken Mütter, Väter und andere Erziehungsberechtigte in ihrer Alltags- und Erziehungskompetenz und geben Hilfestellungen im Alltag.

Hier finden Sie weitere Informationen über das „Netzwerk Familienpaten Bayern“.

Gute Kontakt- und Anlaufstellen für Eltern sind zudem die Familienstützpunkte: Sie bieten konkrete Angebote für die unterschiedlichen Bedürfnisse von Familien und verweisen bei Bedarf an andere Einrichtungen weiter.

Weitere Informationen gibt es unter familienbildung.bayern.de oder über das örtliche Jugendamt.

Großfamilienservice des Kolpingwerks Bayern

Das Kolpingwerk Bayern bietet Rat und Unterstützung für bayerische Großfamilien und Mehrlingsfamilien. Mit dem Angebot der Groß- und Mehrlingsfamilientreffen bietet das Kolpingwerk Bayern kinderreichen Familien die Möglichkeit zum Erfahrungs- und Informationsaustausch sowie zur Freizeitgestaltung mit anderen Großfamilien.

Hier geht es zum Kolping-Großfamilienservice.