Plüschtier sitzt zwischen den Stäben eines Gitterbetts.

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Plötzlicher Kindstod

Fälle von plötzlichem Kindstod sind sehr selten und seit Jahren rückläufig. Welche Risikofaktoren und Präventionsmaßnahmen hierbei eine Rolle spielen und wo betroffene Familien Hilfe erhalten können, lesen Sie hier.

Plötzlicher Kindstod – was ist das?

Als plötzlicher Kindstod, auch Sudden Infant Death Syndrome (SIDS) genannt, bezeichnet man alle unerwarteten Todesfälle von gesunden Babys im ersten Lebensjahr, für die es keine erkennbaren Ursachen gibt. Bei Säuglingen zwischen dem zweiten und vierten Lebensmonat ist die Wahrscheinlichkeit des plötzlichen Kindstods am höchsten. Ab dem sechsten Lebensmonat nimmt das Risiko deutlich ab und bei Babys über einem Jahr tritt SIDS kaum noch auf.

Der plötzliche Kindstod ist zum Glück relativ selten. So waren in Deutschland im Jahr 2015 insgesamt 127 Kinder davon betroffen, das waren 0,017 % aller Säuglinge unter einem Jahr.

Die Ursachen des plötzlichen Kindstods sind bis heute noch nicht abschließend erforscht. Es lässt sich allerdings feststellen, dass die Todesfälle seit einigen Jahren zurückgehen. Insbesondere durch Beachtung der Präventionsempfehlungen von Hebammen und Kinderärzten und Kinderärztinnen können Eltern einiges dafür tun, das Risiko von SIDS zu reduzieren.

Risikofaktoren

Was zum plötzlichen Kindstod führt, ist noch nicht vollständig geklärt. Zu vermuten sind mehrere Faktoren, die wohl gleichzeitig eintreten müssen. Die Konstitution des Babys könnte eine Rolle spielen, aber auch äußere Risikofaktoren.

So ist möglicherweise der Eigenantrieb des Babys zur Atmung noch nicht ausgereift. Verfügt das Baby zudem über tiefe Schlafphasen und wacht nicht leicht auf, kann es während des Schlafs zum Atemstillstand kommen. Auch nicht erkannte Virusinfektionen, die sich negativ auf die Herzfunktion auswirken (z. B. durch Entzündung des Herzmuskels), können einen Herzstillstand begünstigen.

Die meisten Kinder, die von SIDS betroffen sind, sterben nachts oder in den frühen Morgenstunden. Jungen sind hiervon etwas häufiger betroffen als Mädchen. Gefährdet sind insbesondere die Kinder von sehr jungen Müttern oder Müttern, die in der Schwangerschaft geraucht haben. Auch treten Fälle von SIDS im Sommer weniger oft auf als im Winter.

Die Mehrzahl der an SIDS verstorbenen Babys wird auf dem Bauch liegend gefunden. Eine Überwärmung des Kindes durch überheizte Räume, zu warme Kleidung oder ungeeignetes Bettzeug kann die Gefahr von SIDS erhöhen. Außerdem ist zu vermuten, dass Gegenstände wie Decken, Kissen oder Kuscheltiere das Baby während des Schlafens unbeabsichtigt überdecken und damit seine Atmung blockieren.

Eine große Rolle wird dem Rauchverhalten der Eltern zugeschrieben. SIDS kommt häufiger in Raucherhaushalten vor als in Nichtraucherhaushalten. Schläft das Kind in Räumen, in denen geraucht wird, atmet es als sogenannter Passivraucher schädliche Giftstoffe ein. Sowohl das Rauchen während der Schwangerschaft als auch nach der Entbindung erhöht das Risiko für den plötzlichen Kindstod deutlich. Bei Kindern von Müttern, die während der Schwangerschaft geraucht haben, ist das Risiko 8 bis 16 Mal höher als bei den Kindern von nicht rauchenden Müttern.

Der plötzliche Kindstod kann leider nicht mit letzter Sicherheit verhindert werden. Wissenschaftliche Studien belegen jedoch, dass durch die relativ einfache Vermeidung von einigen Risikofaktoren die Wahrscheinlichkeit des plötzlichen Kindstods deutlich minimiert werden kann.

Sicherer Babyschlaf

Eine wirksame Präventionsmaßnahme, um das Risiko des plötzlichen Kindstods zu senken, ist die richtige Schlafumgebung für Ihr Kind. Beachten Sie hierzu bitte folgende Tipps:

  • Legen Sie Ihr Baby zum Schlafen auf den Rücken und nicht auf den Bauch oder in Seitenlage. Nur wenn es wach ist, können Sie es auch auf den Bauch legen. Sie fördern so die Entwicklung seiner Rücken- und Nackenmuskulatur und beugen einer Abflachung der Schädelform vor.
  • Sorgen Sie unbedingt für eine rauchfreie Umgebung in den Räumen, in denen Ihr Baby schläft.
  • Verwenden Sie einen passenden Babyschlafsack und verzichten Sie auf Decken, Kuscheltiere und Kissen. Sie sorgen so dafür, dass ihr Baby keinen Hitzestau bekommt und ungehindert atmen kann.
  • Sorgen Sie für ein eher kühles Schlafzimmer, in dem Ihr Baby schläft. Die Raumtemperatur sollte 18 °C nicht überschreiten.
  • Legen Sie Ihr Kind in sein eigenes Babybett im Elternschlafzimmer. Auch Beistellbetten eignen sich hier sehr gut. Diese können direkt am Elternbett angebracht werden.
  • Stillen Sie wenn möglich Ihr Kind bis zum sechsten Lebensmonat ausschließlich. Zu den vielen Vorteilen des Stillens gehört u. a., dass Sie damit auch dem plötzlichen Kindstod vorbeugen können. Gestillte Kinder haben einen leichteren Schlaf und wachen nachts häufiger auf. Die Gefahr, dass die Atmung im Schlaf aussetzt, ist somit geringer als bei nicht gestillten Babys.

Hilfe und Beratung für betroffene Eltern und Familien

Ein Kind zu verlieren, ist das Schlimmste, was Eltern widerfahren kann. Eltern und Familien, die ein Kind durch den plötzlichen Kindstod verloren haben, sind in mehrfacher Hinsicht belastet.

Eltern empfinden neben der maßlosen Trauer über den Verlust des Kindes oft Schuldgefühle und Selbstzweifel. Manchmal werden sie auch mit Schuldzuweisungen Dritter konfrontiert. Erschwerend kommt hinzu, dass aufgrund der unklaren Todesursache polizeiliche Ermittlungen eingeleitet werden müssen und eventuell eine Obduktion des toten Kindes ansteht.

Auch kämpfen betroffene Eltern mit erheblichen Ängsten, dass später geborene Geschwisterkinder das gleiche Schicksal SIDS erleiden könnten.

Unterstützung durch spezielle Beratungsangebote kann helfen, den Verlust zu verarbeiten und die Zeit der Trauer zu begleiten.

Gemeinsame Elterninitiative Plötzlicher Säuglingstod Deutschland e. V. (GEPS)

Die Elternselbsthilfeorganisation GEPS bietet Betroffenen Hilfe und Begleitung an. Der Verein wird unterstützt von einem Experten-Beirat aus den Bereichen Pädiatrie, Pathologie, Rechtsmedizin, Sozialwissenschaft und Epidemiologie. Er setzt sich zudem dafür ein, die Öffentlichkeit aufzuklären, wie sich Risikofaktoren zum plötzlichen Kindstod beeinflussen lassen.

Darüber hinaus bietet die GEPS viele Broschüren, Flyer und Videos, teilweise auch mehrsprachig, zum Thema SIDS an.

Hier geht es zur Website der GEPS

Verwaiste Eltern und trauernde Geschwister in Deutschland e. V. (VEID)

Der Bundesverband verwaiste Eltern und trauernde Geschwister in Deutschland e. V. (VEID) bietet neben Infos zum Thema „Umgang mit der Trauer“ u. a. auch eine Übersicht regionaler Selbsthilfegruppen.

Hier finden Sie die regionalen Selbsthilfegruppen in Bayern

Hier geht es zum VEID-Landesverband Bayern

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