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Notfallverhütung ist kein Schwangerschaftsabbruch
Eine befruchtete Eizelle benötigt fünf bis sieben Tage um vom Eileiter bis in die Gebärmutter zu wandern. Durchschnittlich kommt es am zehnten Tag zu der Einnistung der befruchteten Eizelle in die Gebärmutterschleimhaut. Erst dann wird nach medizinischer und rechtlicher Definition von einer Schwangerschaft gesprochen.
Die Pille danach wirkt nur bevor sich ein befruchtetes Ei in die Gebärmutter einnistet. Eine bisher evtl. unbemerkt bestehende Schwangerschaft wird nicht unterbrochen. Nach derzeitigem Wissensstand hat die Pille danach auch keinen negativen Einfluss auf die Entwicklung des Embryos.
Die Spirale danach wird vom Arzt/Ärztin nur eingesetzt, wenn eine Schwangerschaft ausgeschlossen wurde.
Vikela® - rezeptfrei in Österreich
Das Präparat Vikela® (Einzeltablette; 1,5 mg Levonorgestrel; Sanova Pharma) ist seit 18.12.2009 rezeptfrei in Österreichs Apotheken für Frauen aller Altersgruppen rezeptfrei gestellt.
Mitteilung des österreichischen Bundesamtes für Sicherheit im Gesundheitswesen vom 18.12.2009.
Vikela - Sanova Pharma GesmbH (incl. Gebrauchsinformation)
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Notfallverhütung (Pille danach / Spirale danach!)
Von
Johanna Knott
1 Notfallverhütung / Nachverhütung
Notfallverhütung oder Nachverhütung kann, wenn rechtzeitig angewandt, eine Schwangerschaft nach ungeschütztem Geschlechtsverkehr mit hoher Sicherheit verhindern. Es gibt zur Zeit zwei Methoden:
- die "Pille danach" und
- die "Spirale danach".
Notfallverhütung ist kein Schwangerschaftsabbruch! (Siehe rechte Spalte)
2 Wann wird eine Nachverhütung benötigt?
Wenn ...
- das Kondom abgerutscht oder gerissen ist,
- die Einnahme der Pille vergessen wurde,
- Erbrechen oder Durchfall die Wirkung der Pille beeinträchtigen,
- keine Verhütung angewandt wurde,
- das Diaphragma verrutscht ist oder falsch angewandt wurde,
- der Geschlechtsverkehr erzwungen wurde.
3 Pille danach
In Deutschland sind mittlerweile drei Präparate, Unofem®, Levogynon® und seit 01. Oktober 2009 Ellaone® als "Pille danach“" auf dem Markt. Die Pille danach ist rezeptpflichtig und nur in der Apotheke erhältlich. Es muss ein Privatrezept vom Hausarzt, Frauenarzt oder vom ärztlichen Notdienst ausgestellt werden. Unofem® und Levogynon® kosten ca. 17 €, Ellaone® ca. 35 €. Bis zum 20. Lebensjahr werden die Kosten bei gesetzlich versicherten Frauen von der Krankenkasse übernommen.
3.1 Wie wirkt die Pille danach?
In der Pille danach ist das synthetische Gelbkörperhormon Levonorgestrel enthalten, das eine empfängnisverhütende Wirkung hat. Dieses Hormon verzögert oder verhindert, je nach Einnahmezeitpunkt, den Eisprung. Der Transport von Eizelle und Spermien in den Eileitern wird beeinflusst und die Einnistung einer befruchteten Eizelle verhindert, da der Aufbau der Gebärmutterschleimhaut beträchtlich gestört wird.
In Unofem® und Levogynon® ist das synthetische Gelbkörperhormon Levonorgstrel enthalten, welches das körpereigene Hormon Gestagen ersetzt. Auf diese Weise wird, je nach Einnahmezeitpunkt, der Eisprung verzögert oder unterdrückt. Der Transport von Eizelle und Spermien in den Eileitern wird beeinflusst und die Einnistung einer befruchteten Eizelle verhindert, da der den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut beträchtlich gestört wird.
In Ellaone® ist kein synthetisches Hormon, sondern der Hormonrezeptor-Modulator Ulipristal enthalten, welcher in den Körperzellen an die Bindungsstellen für das Hormon Progesteron andockt, somit dessen Wirkung verändert und dadurch den Eisprung verhindert.
3.2 Wie wird die Pille danach angewandt?
Unofem® besteht aus einer Tablette und sollte innerhalb von 72 Stunden, am besten innerhalb von zwölf Stunden nach dem Geschlechtsverkehr eingenommen werden.
Levogynon® besteht aus zwei Tabletten. Die erste Tablette sollte innerhalb von 72 Stunden, vorzugsweise aber in den ersten 12 bis 24 Stunden nach dem Geschlechtsverkehr eingenommen werden. Die zweite Tablette 12 Stunden nach Einnahme der ersten Tablette.
Ellaone® besteht aus einer Tablette und sollte sobald wie möglich und höchstens 120 Stunden nach dem Geschlechtsverkehr eingenommen werden. Bis zur nächsten Menstruationsblutung muss eine zuverlässige Barrieremethode z.B. Kondom, Diaphragma, beim Geschlechtverkehr angewandt werden.
Wenn innerhalb von drei Stunden nach einer Tabletteneinnahme erbrochen wird, sollte nochmals eine Tablette genommen werden. Es wird dann noch eine Packung und ein Rezept vom Arzt benötigt.
Nach Einnahme der Pille danach sollte die Monatsblutung zum erwarteten Termin einsetzen. Sie kann sich jedoch um einige Tage verschieben. Sollte die Monatsblutung länger als sieben Tage ausbleiben oder sollte sie deutlich schwächer oder stärker sein wie normalerweise, sollte ein Arzt/Ärztin aufgesucht werden.
3.3 Wie sicher ist die Pille danach?
Die Pille danach ist umso sicherer, je früher sie nach dem Geschlechtsverkehr eingenommen wird. Untersuchungen haben ergeben, dass die Schwangerschaftsrate steigt, je später die Pille danach eingenommen wird.
Unofem® und Levogynon® wirken nur in dem Zeitraum von 72 Stunden nach dem Geschlechtsverkehr, Ellaone® bis zu 120 Stunden nach dem Geschlechtsverkehr. Die Verhütung bis zur nächsten Monatsblutung sollte mit dem Arzt/Ärztin abgesprochen werden.
Laut Herstellerangaben ist Unofem® umso wirksamer, je früher es nach einem ungeschützten Geschlechtsverkehr eingenommen wird; das heißt, bis zu 95 von 100 zu erwarteten Schwangerschaften können verhindert werden, wenn die Einnahme von unofem innerhalb von 24 Stunden nach einem ungeschützten Geschlechtsverkehr erfolgt, nur noch 58 von 100 zu erwarteten Schwangerschaften können verhindert werden, wenn die Einnahme von Unofem® innerhalb von 48 bis 72 Stunden nach einem ungeschützten Geschlechtsverkehr erfolgt.
3.4 Nebenwirkungen der Pille danach
Als Nebenwirkungen können vorübergehend Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen, Schwindel, Müdigkeit, Unterbauchschmerzen oder Empfindlichkeit der Brüste auftreten. Diese Nebenwirkungen verschwinden normalerweise nach 24 Stunden wieder. Ebenfalls kann es zu Schmier- und unregelmäßigen Blutungen oder zu einer Menstruationsverschiebung kommen.
3.5 Wechselwirkung mit anderen Medikamenten
Die Wirksamkeit von Ellaone®, Levogynon® und Unofem®, kann bei der gleichzeitigen Anwendung folgender Arzneimittel oder Arzneimittelgruppen vermindert werden (Hinweise aus dem Beipackzettel):
Arzneimittel zur Behandlung von:
- Epilepsie (z.B. Phenytoin, Phenobarbital, Carbamazepin)
- HIV-Infektion (Ritonavir)
- bestimmten bakteriellen Infektionen (z.B. Rifampicin)
- depressiven Verstimmungen und Ängsten mit dem Inhaltsstoff Johanniskraut
Die Wirksamkeit von Unofem® wird noch von Arzneimittel zur Behandlung von schweren Pilzerkrankungen (Griseofulvin) beinträchtigt.
Die Wirksamkeit von Ellaone® wird noch von Arzneimittel zur Behandlung von Magenübersäuerung und Magengeschwüren (z.B. Omeprazol) abgeschwächt.
Die Wirkung von Ellaone® kann verstärkt werden bei der gleichzeitigen Anwendung von bestimmten Arzneimitteln zur Behandlung von Pilzinfektionen (z. B. Ketoconazol, Itraconacol) oder anderen Infektionen (z.B. Telithromycin, Claritthromycin)
3.6 Für wen ist die Pille danach geeignet?
Für alle Frauen.
Ausnahmen: Frauen mit akuten oder chronisch schweren Leberschäden, sowie einigen Stoffwechselkrankheiten sollten die Pille danach vorsichtig einsetzen. Auch Mädchen unter 16 Jahren können die Pille danach nehmen.
Die Pille danach ist als regelmäßiges Verhütungsmittel ungeeignet, da ihre Wirkung bei häufiger Einnahme innerhalb eines kurzen Zeitraumes abnimmt. Im Vergleich mit anderen Verhütungsmitteln ist sie auch teurer, die Nebenwirkungen sind stärker und sie ist unsicherer.
3.7 Schwangerschaft und Stillzeit
Wenn trotz Einnahme der Pille danach eine Schwangerschaft entstanden ist, sollte dies unbedingt mit dem Arzt besprochen werden. Ellaone® darf nicht eingenommen werden, wenn bereits eine Schwangerschaft besteht, da dies Auswirkungen auf das ungeborene Kind haben kann.
Stillende Mütter sollten bei Unofem® bzw. Levogynon®, die erste Tablette unmittelbar nach dem Stillen einnehmen und den folgenden Stilltermin auslassen. Einige Fachleute empfehlen, die Muttermilch 24 Stunden nach der Einnahme wegzuwerfen.
Bei Ellaone® sollte 36 Stunden nach der Einnahme nicht gestillt werden, das heißt, die Muttermilch solange abpumpen und entsorgen.
4 Spirale danach
Die Spirale danach ist eine "normale" Kupferspirale. Die Kosten betragen ca. 130 bis 150 €. Bis zum 20. Lebensjahr werden die Kosten bei gesetzlich versicherten Frauen von der Krankenkasse übernommen.
4.1 Wie wirkt die Spirale danach?
Das Kupfer der Spirale verändert das Milieu in der Gebärmutter und in den Eileitern. Dadurch wird die Befruchtungsfähigkeit der Samenzellen gestört. Zusätzlich kann sie die Einnistung einer befruchteten Eizelle verhindern.
4.2 Wie wird die Spirale danach angewandt?
Die Spirale danach muss innerhalb von fünf Tagen nach dem ungeschützten Geschlechtsverkehr von einem Arzt/Ärztin eingesetzt werden.
4.3 Sicherheit der Spirale danach
Die Sicherheit der Spirale danach liegt zwischen 99 und 100 Prozent.
4.4 Wann ist die Spirale danach eine geeignete Notfallverhütung?
- wenn es für die Pille danach zu spät ist,
- wenn Sie keine hormonelle Notfallverhütung möchten,
- wenn Sie die sicherste Methode der Notfallverhütung wählen möchten,
- wenn Sie in Zukunft mit der Spirale verhüten wollen.
Die Spirale danach kann nicht angewandt werden, wenn eine Schwangerschaft bereits besteht, bei Unterleibsentzündungen, bei verschiedenen Krankheiten z. B. Endometriose, Kupferallergien.
4.5 Nebenwirkungen der Spirale danach
Als Nebenwirkungen können krampfartige Schmerzen während und nach dem Einlegen der Spirale auftreten. Wird die Spirale als langfristiges Verhütungsmittel genutzt, kann es zu den herkömmlichen Nebenwirkungen der Spirale kommen.
5 Weitere Informationen
Ausführliche Informationen erhalten Sie bei Ihrem Frauenarzt, Ihrer
Beratungsstelle vor Ort oder mehrsprachig am "Pille danach Infotelefon" von pro familia: (01805) 776326
Notfall-Verhütung.info
Pro familia - weiterführende Informationen in deutscher, türkischer, englischer, russischer und französischer Sprache
Pro familia - Familienplanungsrundbrief Ausgabe 02/08, Schwerpunkt "Pille danach"
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung
Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e.V. (DGGG) - Leitlinien "Empfängnisverhütung"



