Väter - psychosoziale Aspekte bei werdenden Vätern
Von
Marion Pinkofsky
1 Einleitung
Der Blick der Gesellschaft und der Politik auf Väter hat sich in den letzten Jahrzehnten verändert. Hierzu einige einleitende Fakten.
Im Familienreport des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend 2010 gibt es einen Verweis - nicht nur auf die Gleichstellungspolitik für Frauen - sondern auf die Gleichstellungspolitik für Jungen und Männer.
In diesem Zusammenhang spielt wohl auch das Elterngeld unter Einbezug der "Partnermonate", also mindestens der zwei Monate, in welchen Väter aufgerufen sind Elternzeit zu nehmen. Seit der Einführung des Elterngeldes gibt es einen Anstieg derjenigen Väter, die sich für eine "Elternzeit" entscheiden.
Laut Familien Report 2008 des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend haben sich im Jahr 2006 3,5 % der Väter für eine Elternzeit entschieden, im Jahr 2008 waren es bereits 14,3 %. Im Familienbericht 2010 wird für das Jahr 2009 ein weiterer Anstieg auf 18,5 % festgehalten.
Familienbericht 2010 – Bundesministerium für Familie und Senioren, Frauen und Jugend.
Heutige Väter stehen unter einem anderen "Druck", da sich die Rollenverteilungen verändern. So kommen immer mehr Fragen zur Rollenverteilung auf. Welche Rollenverteilung wird gewählt? Das hat wiederum mit der herrschenden Gesellschaftsstruktur zu tun, die in Deutschland noch sehr geprägt ist von der "Alleinversorgerehe". Es gab in der Schweiz ein Projekt zur egalitären Rollenverteilung. Der Link zu diesem Projekt und seinen Ergebnissen ist unter "Weitere Informationen" zu finden.
2 Was und wie verändert sich die Sichtweise und die Lebensperspektive von werdenden Vätern in verschiedenen Lebensbereichen?
2.1 Schwangerschaft der Partnerin / Bereich Beziehung
- Wie werde ich während der Schwangerschaft meiner Partnerin miteinbezogen, bringe ich mich selber ein?
- Will ich bei der Geburt dabei sein?
- Setzt es mich unter Druck, dass es heute fast als selbstverständlich gilt, im Kreißsaal dabei zu sein?
- Ist die Art der Beziehung verändert? (enger oder distanzierter)
- Ist es das Ende der Zweisamkeit?
- Bin ich dann das dritte Rad am Wagen?
- Was wird sich für mich verändern, werde ich ein guter Vater sein?
2.2 Alltag
- Wie wird mein/unser Alltag nach der Geburt aussehen, wie organisieren wir ihn?
- Haben wir Rituale im Alltag?
- Wie müssen sie auf die neue Lebenssituation angepasst werden?
(z.B. gemeinsames Essen, abendliches Gespräch bei einem Glas Wein) - Werde ich Schwierigkeiten mit meinem Arbeitgeber bekommen, wenn ich eventuell öfter zu Hause bleiben muss, weil ein Notfall eintritt?
- Wird uns das Geld reichen oder können wir uns gar nichts mehr leisten?
- Will die Partnerin wieder arbeiten gehen?
- Welche neuen Prioritäten muss ich setzen?
- Wie gehen wir/ich mit Konflikten zwischen Wunsch und neuer Wirklichkeit um?
2.3 Die neue Rolle / Vaterschaft
- Welche Wertvorstellungen habe ich?
- Wie stehe ich zur „Gleichberechtigung“?
- Gibt es noch ein klares Rollenbild "Vater" und wo sehe ich mich?
- Will ich mich beruflich engagieren, um genug zu verdienen oder will ich Zeit für mein Kind haben?
- Ich werde dann Verantwortung tragen. Kann nicht mehr nur auf meine Bedürfnisse schauen.
- Wie komme ich damit klar, dass meine Partnerin jetzt nahezu überall im Mittelpunkt steht?
- Beim Sex werde ich wohl zurückstecken müssen?
2.4 Herkunftsfamilie
- Wie gelingt mir/uns die Ablösung von der Herkunftsfamilie?
- Wie bringen sie (Herkunftsfamilien, "Oma, Opa") sich ein?
- Gibt es Konflikte zwischen den Familien oder sind sie sich einig?
- Heiraten oder nicht, wie stehen die "Großeltern" dazu?
- Wenn heiraten, welcher Familienname soll gewählt werden?
- Muss ich eventuell die Religionszugehörigkeit wechseln?
- Welche Rollenbilder gibt es in den Herkunftsfamilien?
- Welche Wertvorstellungen haben sie?
- Welche habe ich selber und was will ich an mein Kind weitergeben?
- Was will ich anders machen als meine Eltern?
- Welche Aspekte möchte ich unbedingt beibehalten?
2.5 Väter mit Migrationshintergrund
Da dieses Thema ein sehr breit gefächertes Spektrum hat, wird es hier zumindest aufgegriffen. Bei der Recherche im Internet wurde deutlich, dass "Männerarbeit" zu diesem speziellen Thema in Bayern noch eher in den Kinderschuhen steckt. Sicherlich fließt es in die Arbeit diverser "Männerinitativen" ein und auch das Bayerische Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen setzt sich für Integration ein, aber "Männerinitiativen" für/von Männern mit Migrationshintergrund gibt es eher seltener. Womöglich hängt es auch mit dem "inneren Zusammenhalt" verschiedener Gruppen zusammen. Dennoch gibt es womöglich auch Fragen zum Thema Vater werden.
- Wie stehe ich zu den Werten und Traditionen meiner/unserer Ursprungsnationalität oder bin ich in der deutschen Kultur mehr verhaftet?
- Wo fühle ich mich mehr angenommen und erhalte Unterstützung?
- Wie gehe ich mit eventuell auftretenden Konflikten um, kann ich auf Unterstützung innerhalb der Familie hoffen?
- Wie stehe ich dazu, wenn meine deutsche Partnerin ein Kind erwartet?
- Wie steht mein Umfeld dazu?
2.6 Väter mit Handicap
Ein anderes wichtiges Thema sind Väter mit einer Behinderung:
Werdende Väter mit einem Handicap sind zusätzlich mit ganz anderen Problemen, neben den oben genannten Fragestellungen, konfrontiert.
- Was sagt mein Umfeld, wenn ich Vater werde?
- Welche Barrieren habe ich zu überwinden?
- Gesellschaftliche, berufliche und tatsächliche (barrierefreies Umfeld?) Barrieren behindern mich womöglich.
- Wie gehe ich mit dem Thema PND (Pränataldiagnostik), PID (Präimplantationsdiagnostik) um? Setzt es mich unter Druck oder lasse ich mich nicht beirren?
3 Weitere Informationen
Familienhandbuch.de – "Egalitäre Rollenverteilung" von Margret Bürgisser
Bundesministerium für Familie und Senioren, Frauen und Jugend – Perspektiven für Jungen und Männer
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) – Männer im Konflikt
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) – Wissenswertes für Männer
Väterzeit.de – Vater werden, Vater sein
Väter.de - Väter e.V.
Münchner Informationszentrum für Männer (MiM)
Bayerisches Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen – Filmspotserie „Migrationszauber"
Initiativgruppe e.V. - Migrationsblogg
Interessenvertretung Selbstbestimmtes Leben in Deutschland e.V.
My Handicap – Forum, Infos und Adressen für Menschen mit Behinderung
Broschüre
"Ich bin dabei - Vater werden" - Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA)
"Beifahrer - kleiner Tourenplaner für werdende Väter" - Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA)
Literaturempfehlung
Bürgisser, Margret: Vereinbarkeit von Beruf und Familie - auch für Männer.
Herausforderungen, Probleme, Lösungsansätze, hep verlag ag ott verlag, 2011




