Pränataltherapie - vorgeburtliche Behandlung
1 Erkrankung im Mutterleib
Durch die heutigen Verfahren der Pränataldiagnostik können Erkrankungen und Fehlbildungen des Ungeborenen frühzeitig festgestellt werden. Bei manchen Erkrankungen ist zu erwarten, dass ohne sofortige Behandlung das Baby unmittelbar nach der Geburt in einen lebensbedrohlichen Zustand gerät. Wird eine Erkrankung schon im Mutterleib festgestellt, kann die Geburt optimal vorbereitet und mit der Therapie sofort begonnen werden. Einige Krankheiten sind für das Kind bereits im Mutterleib lebensgefährlich.
2 Behandlung im Mutterleib
Eine Therapie innerhalb der Gebärmutter (in utero) verfolgt das Ziel, Erkrankungen oder Fehlbildungen des Ungeborenen, mit den heutigen technischen, medikamentösen oder auch operativen Möglichkeiten zu behandeln. Im besten Fall kann eine Schädigung des Kindes verhindert oder zumindest abgeschwächt werden.
2.1 Medikamentöse Behandlung
Die häufigsten Therapien bestehen aus Medikamenten, die von der schwangeren Frau eingenommen werden und somit auch in den Blutkreislauf des Kindes gelangen. So werden z.B. bei Herzrhythmusstörungen entsprechende Herzmedikamente verordnet.
Infektionskrankheiten, wie zum Beispiel die Toxoplasmose, können ebenfalls medikamentös behandelt werden, um schwere Schäden beim Kind zu verhindern.
Blutgruppenunverträglichkeit oder Ringelrötelinfektionen sind bei Bedarf durch eine Bluttransfusion über die Nabelschnur therapierbar.
2.2 Vorgeburtliche Chirurgie
Die vorgeburtliche Chirurgie (Fetalchirurgie = Operation am Fetus, Synonym: Fötus. Der Begriff "Fetus" oder "Fötus" bezeichnet das Ungeborene ab dem vierten Schwangerschaftsmonat. In den ersten drei Monaten wird das Ungeborene als Embryo bezeichnet) hat sich in den letzten 20 Jahren vor allem in Europa erheblich weiterentwickelt. Spezialisierte Ärzte versuchen, Kinder mit einem Herzfehler, mit Nierenschädigungen, mit Tumoren oder mit offenem Rücken schon im Mutterleib zu operieren.
Für eine Operation am ungeborenen Kind muss der Bauch der Schwangeren nun nicht mehr geöffnet werden. Die sogenannte minimal-invasive Operationstechnik ermöglicht es, dass Ärzte das Kind durch wenige Millimeter dünne Röhrchen (Fetoskope), die von außen in die Gebärmutter eingeführt werden, operieren können. Beispielsweise kann ein lebensgefährlicher Kehlkopfverschluss in einer fetoskopischen Operation vorsichtig geöffnet werden. Die Mediziner arbeiten durch die Röhrchen mit Spezial-Instrumenten und einer hoch entwickelten Minikamera, die in 40-facher Vergrößerung gestochen scharfe Bilder vom Feten auf einen Bildschirm schickt. Benötigen die Operateure in der Fruchtblase bessere Sicht oder einen Freiraum für den Eingriff, erzeugen sie mit einem dünnen Schlauch eine kleine Blase, indem sie etwas Fruchtwasser durch Gas ersetzen. Die Operationen benötigen ein eingespieltes Team, das aus Gynäkologen, Anästhesisten und Operateuren besteht, die aus verschiedenen Fachdisziplinen, z.B. Kinderchirurgie, Neurochirurgie, Pädiatrie kommen können. Auch die Medizin kann keine Unmöglichkeit vollbringen. Einige Operationsmethoden sind noch sehr neu und befinden sich noch immer in der Erprobung. Deshalb muss eine Ethik-Kommission jeder einzelnen Operation zustimmen. Es handelt sich bei diesen komplexen Operationen nicht um Routineeingriffe. Eines der größten Probleme liegt in der Stabilisierung der Schwangerschaft nach Beendigung der Operation. Ist die Schwangerschaft nicht zu festigen, kommt es zu einer Frühgeburt.
3 Zeit für Entscheidungen
Werdende Eltern, bei denen während einer pränatalen Untersuchung eine ernsthafte Erkrankung oder Behinderung des Kindes festgestellt wurde, sollten sich in Ruhe mit der Diagnose auseinandersetzen. Die behandelnde Ärztin oder der Arzt muss bei der Bekanntgabe der Diagnose alle relevanten medizinischen, psychischen und sozialen Fragen, die im Zusammenhang mit der Krankheitsbestimmung stehen, ausführlich behandeln. Darüber hinaus muss die Medizinerin bzw. der Mediziner auf Wunsch der Eltern diese an eine Schwangerschaftsberatungsstelle vermitteln. Eine Beratung ist selbstverständlich freiwillig und kostenfrei. Die psychosoziale Beratung soll ein Unterstützungsangebot für schwangere Frauen und ihre Partner sein. Fachkompetente Beraterinnen und Berater begleiten einfühlsam die werdenden Eltern in einer für sie schwierigen Zeit. Sie können relevante Hilfsangebote aufzeigen und die Frau oder das Paar dabei unterstützen, eine individuelle, verantwortliche Entscheidung zu treffen. Entscheiden sich Frau und Mann einen Eingriff zu wagen, wird der Arzt bzw. die Ärztin sie an eine spezialisierte Klinik verweisen.
4 Weitere Informationen
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA)
Universitätsklinikum Bonn - Deutsches Zentrum für Fetalchirurgie & minimal-invasive Therapie (DZFT )
Medizin-News
Anaesthesie-Intensivmedizin.com - die Online-Informationsplattform für Mediziner/innen und Pflegende
Verein Psychosoziale Aspekte der Humangenetik VPAH e.V. - Institut für Humangenetik der Universität des Saarlandes



