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Familienhebammen
Familienhebammen gibt es in Deutschland seit mehr als 30 Jahren. Bundesweit sind derzeit
etwa 1200 Familienhebammen nach dem Curriculum des Deutschen Hebammenverbandes
(200 Stunden) qualifiziert worden. Die berufsbegleitende Fortbildung zur Familienhebamme wird inzwischen in fast allen Bundesländern über die Landesverbände des Deutschen Hebammenverbands (DHV) angeboten.
(Quelle:
Positionspapier "Zur Abgrenzung der Begriffe Familienhebamme und Familiengesundheitshebamme" des Deutschen Hebammenverbandes e.V. vom Februar 2011)
MAJA-Hebammen - Familienhebammen
MAJA. Hebammen helfen Eltern. Abschlussbericht der wissenschaftlichen Begleitforschung 2005 - 2010. Publikation des Staatsinstituts für Familienforschung an der Universität Bamberg (ifb); ifb-Materialien Nr. 05/2010
Gegenüberstellung MAJA – Familienhebammen, Seite 24
München - Stadtratsbeschluss vom 18.03.2010
Aktuelles zum Thema
Familienhebamme - München erweitert Angebot für Schwangere mit hohen psychosozialen Belastungen
Die Beraterinnen der Staatlich anerkannten Beratungsstelle für Schwangerschaftsfragen der...
Familienhebammen
von
Jutta Böhm-Bachmeier und
Martina Gratzl
1 Einleitung
Traditionell ist der Hebammenberuf positiv besetzt und wird mit Hilfe, Unterstützung und Lebensabschnittsbegleitung assoziiert. Dies erlaubt es insbesondere den Familienhebammen in Vernetzung mit anderen Institutionen sich für das Wohl des Kindes und der Mutter auf körperlicher, geistiger und seelischer Ebene einzusetzen und somit vermeidbare Gefahren zu erkennen und gegebenenfalls die Folgen abzuwenden bzw. zu mildern.
2 Aufgabenfeld
Familienhebammen sind staatlich examinierte Hebammen mit einer Zusatzqualifikation, deren Tätigkeit die Gesunderhaltung von Mutter und Kind fördert. Dabei liegt der Schwerpunkt der Arbeit auf der psychosozialen sowie medizinischen Beratung und Betreuung von Risikogruppen durch aufsuchende Tätigkeit und interdisziplinäre Zusammenarbeit mit anderen Institutionen und Berufsgruppen.
3 Zielgruppe
Familienhebammen betreuen schwangere Frauen, Mütter und ihre Kinder bis zum vollendeten ersten Lebensjahr, die gesundheitlichen, medizinisch-sozialen oder psychosozialen Risiken ausgesetzt sind. Häufige Problemkonstellationen bei Betreuungsbeginn sind z.B. Partnerschaftsprobleme, Komplikationen während der Schwangerschaft, Störungen in der Eltern-Kind-Beziehung bis hin zum Verdacht auf Kindesmisshandlung, Alkohol- und Drogenabhängigkeit oder Straffälligkeit. Darüber hinaus ist das Angebot der Familienhebammen auch als Unterstützung für Alleinerziehende, minderjährige Eltern, kinderreiche Familien, Eltern von früh- oder totgeborenen oder behinderten Kindern, Migrantinnen und Migranten, Asylbewerberinnen und Asylbewerber, geistig und körperlich Behinderte, psychisch und chronisch Kranke und andere sozial benachteiligte Menschen konzipiert.
Mit diesem Angebot, das zum Teil auf Wunsch auch anonym wahrgenommen werden kann, können hoch und mehrfach belastete schwangere Frauen, die anderweitig schwer erreichbar wären, durch gezielte Information im Rahmen der Schwangerschaftskonfliktberatung oder allgemeinen Schwangerenberatung frühzeitig in ihren Problemlagen erreicht werden.
4 "MAJA" - Hebammen - Familienhebammen - Familiengesundheitshebammen
Während das Projekt "MAJA – Hebammen helfen Eltern" familienpädagogisch und primärpräventiv ausgerichtet ist, übernehmen Familienhebammen Aufgaben im sekundärpräventiven Bereich und der Intervention.
Eine Gegenüberstellung der Aufgabenprofile von MAJA –Hebammen und dem bayerischen Modell der Familienhebammen finden Sie in einem Überblick in der rechten Spalte.
Familiengesundheitshebammen engagieren sich nach einer zweijährigen berufsbegleitenden Weiterbildung verstärkt im pflegerischen Bereich.
5 Angebot der Stadt München
Gemäß einem Stadtratsbeschluss des Gesundheitsausschusses vom 18.03.2010 wurde das Referat für Gesundheit und Umwelt der Landeshauptstadt München beauftragt, gemeinsam mit dem Sozialreferat ein Konzept für den Einsatz von Familienhebammen in der städtischen Schwangerenberatungsstelle zu erarbeiten. Es wurde hierauf ein Modellprojekt unter dem Titel "Frühe Hilfe schon für Schwangere" entwickelt, das durch den Einsatz von Familienhebammen eine Erweiterung des "Münchner Modells der Früherkennung und Frühen Hilfen für psychosozial hoch belastete Familien“ auf den vorgeburtlichen Bereich für Schwangere mit hohen psychosozialen Belastungen vorsieht.
5.1 Münchner Modell der Früherkennung und Frühen Hilfen
Das "Münchner Modell der Früherkennung und Frühen Hilfen für psychosozial hoch belastete Familien" startete im November 2008 als ein gemeinsames Projekt des Referats für Gesundheit und Umwelt/Frühkindliche Gesundheitsförderung und des Sozialreferats/Stadtjugendamt. Die regional tätigen Kinderkrankenschwestern der Landeshauptstadt München klären im Rahmen ihrer Hausbesuchstätigkeit mittels indikatorengestützter Risikoeinschätzung den Bedarf an Frühen Hilfen. Bei Einverständnis der Eltern vermitteln sie die Kontaktdaten der Familie an die Teilregionsleitung Frühe Hilfen im zuständigen Sozialbürgerhaus, die ihrerseits den regionalen Träger der Frühen Hilfen mit der Betreuung der Familie beauftragen. Die qualifizierten Fachkräfte Frühe Hilfen des freien Trägers leisten oder vermitteln verbindlich in aufsuchender Arbeit die passgenauen psychosozialen Hilfen und unterstützen die Mutter-Kind-Interaktion. Bei gesundheitlichem Beratungsbedarf begleitet die zuständige Kinderkrankenschwester die Familien parallel zu der Fachkraft Frühe Hilfen.
5.2 Frühe Hilfe schon für Schwangere
Im Rahmen des im folgenden näher beschriebenen Modellprojekts könnte es gelingen, selbst Frauen, die ansonsten nicht durch das Hilfenetzwerk für Schwangere aufgefangen würden, im Rahmen einer qualifizierten Schwangerenberatung durch die Beratungsfachkräfte mit Tür an Tür - Weitervermittlung zu und in anschließender Kooperation mit einer Familienhebamme, noch individueller auf den Beratungs- und Hilfebedarf der Schwangeren einzugehen und sie unmittelbar in ihrer Notsituation mit einem aufsuchenden Unterstützungsangebot, wie es die Beratungsfachkräfte an der Schwangerenberatungsstelle nicht leisten können, aufzufangen und damit auch einen wertvollen Beitrag zur Förderung des vorgeburtlichen Bindungsprozesses zwischen Mutter und Kind zu leisten.
5.3 Modellprojektbeschreibung
Modellprojektbeschreibung der städtischen Schwangerenberatung im Referat für Gesundheit und Umwelt, Landeshauptstadt München
Projekttitel
Frühe Hilfe schon für Schwangere - Erweiterung des Münchener Modells der Früherkennung und Frühen Hilfen auf den vorgeburtlichen Bereich für Schwangere mit hohen psychosozialen Belastungen durch den Einsatz von Familienhebammen.
Ausgangssituation
Beschluss des Gesundheitsausschusses vom 18.03.2010, Punkt 3 (siehe rechte Spalte): Das Referat für Gesundheit und Umwelt (RGU) war beauftragt, gemeinsam mit dem Sozialreferat ein Konzept für den Einsatz von Familienhebammen in der städtischen Schwangerenberatungsstelle zu erarbeiten und in der gemeinsamen Sitzung des Kinder- und Jugendhilfeausschusses mit dem Sozialausschuss und dem Gesundheitsausschuss am 21.09.2010 vorzulegen.
Handlungsziel
Schwangere Frauen im Schwangerschaftskonflikt und/oder anderen psychosozial hoch belastenden Situationen werden ab dem frühestmöglichen Zeitpunkt der Schwangerschaft in ihrer Problemlage erreicht und erhalten bereits im Vorfeld der Geburt in Ergänzung zu den bereits vorhandenen Hilfsmöglichkeiten zusätzlich ein konkretes schwangerschaftsbegleitendes und nachgehendes Unterstützungsangebot.
Methode
Einsatz einer Familienhebamme.
Zielgruppe
Schwangere Frauen, die erhöhten gesundheitlichen, medizinisch-sozialen oder psychosozialen Risiken ausgesetzt sind. Denkbare Problemkonstellationen bei Betreuungsbeginn sind z.B. Schwangerschaftskonflikt, Partnerschaftsprobleme, Probleme mit bereits vorhandenen Kindern, Komplikationen während der Schwangerschaft, psychische und chronische Erkrankung, Alkohol- und Drogenabhängigkeit oder Straffälligkeit. Das Angebot muss deshalb gleichermaßen passgenau auf die Lebenslagen von Alleinerziehenden, armutsbetroffenen oder -gefährdeten Eltern, minderjährigen Eltern, kinderreichen Familien, Asylbewerberinnen und Asylbewerbern und anderen sozial benachteiligten Menschen zugeschnitten sein.
Einsatzkriterien für die Familienhebamme
Orientiert an die Einsatzkriterien der Frühen Hilfen, ergänzt um mögliche Problemkonstellationen im vorgeburtlichen Bereich, wie z.B. Schwangerschaftskonflikt, ungewollte Schwangerschaft, unklarer pränataldiagnostischer Befund, drohende Frühgeburt oder Behinderung des Kindes, etc.
Kooperation der Familienhebamme mit
- allen Anbietern von Unterstützung für Schwangere und Mütter entsprechend der Vorgehensweise an den Schwangerenberatungsstellen,
- Fachkräften der Frühen Hilfen: ggf. Übergabe in den ersten drei Lebensmonaten des Kindes, wenn voraussichtlich psychosoziale und interaktive Probleme längerfristig bestehen werden, entsprechend dem Indikationskatalog Frühe Hilfen,
- Kinderkrankenschwestern des RGU: keine Parallelbetreuung, ggf. Übergabe in den ersten drei Lebensmonaten des Kindes, wenn gesundheitliche Probleme des Kindes im Vordergrund stehen.
Qualitätssicherung
- Formulierung von Qualifikations-Anforderungen an die Familienhebamme aufgrund der ungeschützten Berufsbezeichnung.
- Fachaufsicht in der jeweiligen Schwangerenberatungsstelle.
Zeitrahmen
3 Jahre ab Stellenbesetzung.
Evaluation
Fragestellungen: Zielgruppenerreichung, Akzeptanz/Ablehnung.
Dokumentation
Bedarf/Problemkonstellation, Kooperation/Schnittstellen, Ergebnisse.
6 Weitere Informationen
Weitere Informationen zum Thema finden Sie auch in unserem Beitrag
Hebammen.
Staatlich anerkannte Beratungsstelle für Schwangerschaftsfragen der Stadt München
MAJA – Familienpädagogische Weiterbildung für Hebammen – Bayerisches Staatsministerium für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Soziales




