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Fachtagung 2010

"... so hatte ich mir das nicht vorgestellt", am 18.09.2010 an der Universität in Bamberg. Veranstalter ist das Öffnet einen externen Link in einem neuen Fenster"Netzwerk - Krise nach der Geburt" (Landratsamt Bamberg, Fachbereich Gesundheitswesen). Auf der Website wird u.a. auch ein Öffnet einen externen Link in einem neuen FensterFormular zur Online-Anmeldung, sowie eine Tagungsübersicht und ein Faltblatt angeboten.

Aktuelles zum Thema

15.06.11

Schwangere mit tiefem Oxytocin-Wert erkranken häufiger an Wochenbettdepression

PD Dr. Gunther Meinlschmidt und sein Forscherteam von der Universität Basel haben einen...

09.03.11

Fehlgeburt - der lange Schatten danach

Viele Frauen leiden unter einer Fehl- oder Totgeburt. Es treten depressive Beschwerden und Ängste...

07.06.10

Antidepressiva können Fehlgeburtsrisiko erhöhen

Antidepressiva sind ein Segen und - neben weiteren therapeutischen Interventionen - unverzichtbarer...

26.04.10

Bamberg - Fachtagung zu psychischen Erkrankungen nach der Geburt

Das Netzwerk "Krise nach der Geburt" in Bamberg veranstaltet am 18. September einen Fachtag zu...

10.11.05

Depression nach Schwangerschaftsabbruch?

Über die möglichen Folgen eines Schwangerschaftsabbruches für die Frau führen Befürworter und...

Seelische Krise nach der Geburt

Von Öffnet ein Fenster zum Versenden einer E-MailDoris Megerle

1 Babyblues - die dunkle Seite des Honeymoon

Strahlende Mütter, stolze Väter, rosige Babys - glückverheißende Bilder überall! Mutterschaft als eine Verpflichtung zu vollkommener Zufriedenheit. Und doch kann manche Mutter sich inmitten von Stillempfehlungen, Windeltipps und einer unüberschaubaren Zahl von Kursangeboten über die vielen Glückwünsche einfach "nicht so richtig" freuen. Eher weicht die erträumte Familienidylle langsam chronisch schlechter Laune, dem Erkennen des Ausmaßes der übernommenen Verantwortung für ein hilfloses Wesen, einem nie gekannten Gefühlschaos und der nachlassenden Fürsorge durch den Partner (der sich - glücklich darüber, dass "alles gut über die Bühne gegangen ist" - nun über seine wiedergewonnene Freiheit freut). Statt jungem Glück: Stress, Dauerzoff, Sexflaute und Rückkehr in längst überwunden geglaubte Rollenverteilungen. Willkommen in der Wirklichkeit! Wer informiert einen denn schon über diese ungeahnte Flut heftigster Gefühle von Liebe, Angst, Zuwendung, Zuversicht, Einsamkeit, Hass und Schuldgefühlen, die einen sich selber nicht mehr verstehen lassen? Etwa 70 % der Frauen kennen ihn, den Babyblues - unterschiedlich intensiv und verschieden lang andauernd (zieht sich diese Stimmungslage nur über einige Tage hin, verwenden viele auch den herkömmlichen Begriff der "Heultage"; Fachärzte sprechen vom "postpartalen Stimmungstief").
Diese depressiven Verstimmungen nach der Geburt werden mit einem Abfall der Östrogen- und Progesteronkonzentration nach dem Ende der Schwangerschaft in Verbindung gebracht.  Ferner scheint eine Stoffwechselentgleisung des Serotonins, einem Botenstoff im Gehirn, am Gefühlschaos beteiligt. Aber auch Cortisol, ein Steroidhormon der Nebenniere, das sich nach der Geburt ebenfalls rar macht, sowie das Schwangerschaftshormon Prolaktin sind babybluesverdächtig.
Aber auch 6 - 8% der Männer geraten nach der Geburt in eine seelische Krise, etwa 4 - 10% zeigen Anzeichen einer depressiven Verstimmung.

Typische Kennzeichen können sein: 

  • Traurigkeit und häufiges Weinen
  • Empfindsamkeit und Stimmungsschwankungen
  • Müdigkeit und Erschöpfung
  • Schlaf- und Ruhelosigkeit
  • Ängstlichkeit und Reizbarkeit
  • Konzentrationsschwierigkeiten

Auch wenn Fachleute hier nicht von einer Behandlungsbedürftigkeit sprechen, hat der Babyblues erhebliche Auswirkungen auf das Allgemeinbefinden der Frau und das Erleben aller anderen sozialen Bezüge. Oft bringen aber schon verständnisvolle Gespräche, z. B. mit erfahrenen Müttern oder anderen Personen ihres Vertrauens, eine deutliche Entlastung.

2 Schwere seelische Krisen im Zusammenhang mit dem Wochenbett

Einige Frauen (ca. 10 bis 20% aller Mütter) gleiten allerdings in eine schwere Depression ab (Mediziner sprechen von der sogenannten "postnatalen bzw. postpartalen Depression") oder es treten anderweitige seelische Erkrankungen im Wochenbett (z. B. eine Psychose) auf. Hier ist dringend und frühzeitig ärztliche bzw. psychologische/psychotherapeutische Unterstützung von Nöten. Dem verständnisvollen Engagement des Partners und der Familie kommt hier eine herausragende Bedeutung zu!

Typische Anzeichen für depressive Erlebensweisen:

  • Müdigkeit, Erschöpfung und Energiemangel
  • Traurigkeit, häufiges Weinen
  • Schuldgefühle
  • Inneres Leeregefühl
  • Allgemeines Desinteresse und sexuelle Unlust
  • Zwiespältige Gefühle dem Kind gegenüber
  • Konzentrations-, Appetit- und Schlafstörungen
  • Kopfschmerzen, Schwindel, Herzbeschwerden, andere psychosomatische Beschwerden
  • Ängste, extreme Reizbarkeit, Panikattacken, zwanghafte Gedanken (z.B. wiederkehrende destruktive Vorstellungen und Bilder
  • Suizidgedanken

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3 Anderweitige schwere seelische Erkrankungen

Kennzeichen:

  • erhebliche inner Unruhe
  • deutlich gesteigerter oder reduzierter Antrieb
  • Wahrnehmungsstörungen (z.B. Halluzinationen)
  • Wahnvorstellungen

Solches Erleben kann z. B. auf eine psychotische Erkrankung hinweisen, die häufig mit einem - zumindest teilweisen - Verlust des Realitätsbezugs einhergeht. Eine solche Erkrankung stellt die schwerste nachgeburtliche Krise dar (ca. eine bis drei Frauen von 1000 Müttern sind betroffen). Fühlen Sie sich betroffen und erleben Sie einige der genannten Anzeichen bei sich, scheuen Sie sich nicht, Hilfe in Anspruch zu nehmen! Erleben Sie als Partner oder Angehöriger, dass sich die "frischgebackene" Mutter in einem solchen Gemütszustand befindet, handeln bitte Sie! Menschen in schweren seelischen Krisen ist es manchmal - gerade eben wegen der seelischen Erkrankung - nicht mehr möglich, selbst Hilfe zu suchen. Setzen Sie sich bitte mit einem kompetenten Ansprechpartner in Verbindung.

4 Erste Ansprechpartner

Nicht nur bei extremen Stimmungsschwankungen: Ihr Öffnet einen internen Link im aktuellen FensterFrauen-/Hausarzt; Ihre Öffnet einen internen Link im aktuellen FensterHebamme.

5 Weitere Informationen

Öffnet einen externen Link in einem neuen Fenster"Schatten & Licht - Krise nach der Geburt e.V."
Öffnet einen externen Link in einem neuen FensterMutter-Kind-Behandlung bei postpartalen psychischen Erkrankungen (Informationen des Psychiatrischen Zentrums Nordbaden, Lehrkrankenhaus der Universität Heidelberg)
Öffnet einen externen Link in einem neuen FensterSchwangerschaft, Stillzeit und psychische Störungen (Prof. Dr. Anke Rohde, Universitätsfrauenklinik Bonn; Dr. Christof Schaefer, Pharmakonvigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie Berlin)
Öffnet einen externen Link in einem neuen FensterGynäkologische Psychosomatik der Universitätsfrauenklinik Bonn - Prof. Dr. Anke Rhode
Öffnet einen externen Link in einem neuen FensterNetzwerk Krise nach der Geburt - Netzwerk im Raum Bamberg
Öffnet einen externen Link in einem neuen FensterDeutsches Bündnis gegen Depression e.V.
Öffnet einen externen Link in einem neuen FensterMarcé Gesellschaft für Peripartale Psychische Erkrankungen e.V.
Öffnet einen externen Link in einem neuen Fenster"Das Fremde in mir" - Ein Film von Emily Atef über Postpartale Depressionen

Literatur:

Bettina Salis: Freudentränen und Babyblues; Rowohlt, Reinbek 2003; 117 S. 9,90 €
Friederun Gröhe: Nehmt es weg von mir. Depressionen nach der Geburt eines Kindes; Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2003; 200 S. 19,90 €
Katharina Dalton: Wochenbettdepression. Erkennen-Behandeln-Vorbeugen; Huber, Bern 2003; 243 S. 29,95 €
Sylvia Börgens: Das Kind ist da, das Glück lässt auf sich warten, Bonn 2010, Balance Buch + Medien, 14,95 €
 

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Letzte Aenderung: 29.07.2011