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Passivrauchen
"Rauchen in Anwesenheit von Kindern ist Körperverletzung!"
Dr. Martina Pötschke-Langer,
Deutsches Krebsforschungszentrum Heidelberg
Weltkrebstag 2008
Schutz der Kinder vor Passivrauchen
Faltblatt des Deutschen Krebsforschungszentrums Heidelberg
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Um es Kindern zu ermöglichen, in rauchfreier Umgebung aufzuwachsen und Familienmitgliedern einen...
Schwangerschaft und Rauchen
von
Christiane Seidel und
Karin Martini
1 Einleitung
Rund 30 Prozent der Frauen in Deutschland rauchen zu Beginn ihrer Schwangerschaft. Jede dritte schafft den Absprung (zumeist in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten).
Rund 20 Prozent aller Schwangeren rauchen während der Schwangerschaft weiter (durchschnittlich 13 Zigaretten pro Tag).
Etwa jedes zweite Kind lebt in einem Haushalt, in dem mindestens eine Person raucht.
Jede dritte Mutter (manche Studien gehen sogar von zwei Drittel aus) mit einem Kind unter einem Jahr beginnt wieder zu rauchen.
Die Hälfte aller Kinder und Jugendlichen in Deutschland leben in einem Haushalt mit mindestens einem Raucher.
2 Folgen des Konsums
Nikotin ist eine hochgiftige Substanz mit einem hohen Potenzial, Abhängigkeit zu erzeugen. Daneben erhält Zigarettenrauch noch mehr als 4.000 weitere Chemikalien, die - sowohl aktiv oder passiv geraucht - zu massiven gesundheitlichen Schädigungen führen können.
Der Organismus des Ungeborenen (sowie auch des Säuglings) reagiert viel empfindlicher auf den Tabakrauch als der des Erwachsenen. Darüber hinaus stehen ihm viel weniger Möglichkeiten zur Entgiftung von Schadstoffen zur Verfügung. Ferner hat Ihr Baby ein höheres Atemminutenvolumen pro Kilogramm Körpergewicht; es atmet also im Verhältnis zu seinem Körpergewicht deutlich mehr giftige Substanzen ein.
Einige bedeutende Wirkungsweisen auf den kindlichen Organismus:
- Viele Schadstoffe (z.B. Kohlenmonoxyd, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, Nitrosamine etc) durchdringen die Plazenta und gelangen in den Blutkreislauf des Ungeborenen,
- Nikotin führt zu Minderdurchblutung des kindlichen Gewebes,
- bei starkem Tabakkonsum nimmt die Herzfrequenz des Kindes ab.
2.1 Folgen für das Kind
Wenn Sie sich entschließen, künftig rauchfrei zu leben, verbessern Sie die Startbedingungen Ihres Babys entscheidend:
- das Risiko einer Fehlgeburt wird vermindert,
- die Möglichkeit einer Frühgeburt reduziert sich um die Hälfte,
- das Risiko von Fehlbildungen (z.B. Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalte) und Wachstumsstörungen wird reduziert,
- akute wie chronische Mittelohrentzündungen werden seltener beobachtet,
- Babys haben eine größere Chance, normalgewichtig auf die Welt zu kommen,
- die Lungen des Kindes können sich bis zur Geburt vollständig entwickeln (eine verminderte Lungenfunktion konnte man noch bis zum Schulalter der Kinder feststellen, wenn die Mütter während der Schwangerschaft bzw. bis zum sechsten Lebensmonat des Kindes geraucht hatten),
- die Gefahr von lebenslangen Stoffwechselerkrankungen (z.B. Diabetes) wird reduziert,
- Hyperaktivität und Lernschwierigkeiten beim Kind kommen seltener vor,
- das Risiko einer Totgeburt sinkt um ein Drittel,
- die Häufigkeit von Infektionskrankheiten und Allergien beim Kind wird gesenkt,
- die Gefahren eines plötzlichen Kindstods werden um das Achtfache reduziert ,
- Ihrem Baby bleiben Entzugserscheinungen bei der Geburt erspart
- und wenn Sie stillen, ersparen Sie Ihrem Baby die Menge an Nikotin und anderen giftigen Stoffen (in der Muttermilch kann Nikotin, aufgrund seiner leichten Fettlöslichkeit - sogar einen 3-fach höheren Wert erreichen als im Blut). Raucherinnen wird, da Stillen in vielfacher Hinsicht für das Baby von Bedeutung ist, trotz Belastung der Muttermilch zum Stillen geraten.
Näheres hierzu finden Sie im Ratgeber "Stillen und Rauchen" der
Nationalen Stillkommission (Bundesinstitut für Risikobewertung).
Das Rauchen von orientalischen Tabakpfeifen (sogenannten „Wasserpfeifen“) ist - nach Beurteilung des Bundesinstituts für Risikobewertung - kaum weniger schädlich als der Konsum von Zigaretten. Auch die Suchtgefahr ist vergleichbar. Ersten Studien zufolge werden über den Rauch von Wasserpfeifen zum Teil sogar größere Schadstoffmengen aufgenommen als über filterlose Zigaretten.
Nehmen Sie deshalb Rücksicht auf das Ungeborene und das Baby und sorgen Sie für eine rauchfreie Umgebung, denn auch Passivrauchen ist gefährlich und schädigt die Gesundheit erheblich.
Säuglinge und Kleinkinder unter 2 Jahren halten sich ca. 21 Stunden täglich in geschlossenen Räumen auf. Ihnen bleibt nichts übrig, als die hier vorhandenen Schadstoffe aufzunehmen.
2.2 Folgen für die Familie
Folgen des Passivrauchens für Sie und Ihre Familie können sein:
- Augenbrennen und –tränen
- Schwellungen und Rötungen der Schleimhäute
- Vermehrte Infektanfälligkeit
- Konzentrationsstörungen
- Schlafstörungen
- Reizung des Atemtraktes
- Kopfschmerzen
- Schwindelanfälle
- Arteriosklerose
- Angina Pectoris
- Schlaganfälle
- Akute und chronische Herzkrankheiten (einschließlich Herzinfarkt)
- Krebserkrankungen
Kinder von Nichtrauchern fangen als Erwachsene seltener an zu rauchen als die von Rauchern.
Jugendliche Raucher geben das Rauchen eher auf, wenn Ihre Eltern mit dem Rauchen aufgehört haben.
Für Paare, die sich Kinder wünschen: Die Chancen einer Empfängnis sind gegenüber Nichtraucherinnen deutlich reduziert, dafür steigt das Risiko einer Eileiter- bzw. Bauchhöhlenschwangerschaft.
3 Und die Väter?
In zwei von drei Haushalten mit einem Raucher ist dies der Vater.
Rauchende Väter machen Ihre Kinder zu Passivrauchern - auch wenn der Tabakkonsum der Mutter schwerwiegender ist, weil sie in der Regel mehr Zeit mit dem Kind verbringt als der Vater.
Also: auch Sie als Vater sind gefordert, auf das Rauchen zu verzichten und - gemeinsam geht’s meist leichter!
Partner, Angehörige, Bekannte - Auch Sie können mithelfen, den - künftigen - Eltern zu erleichtern, ihr Kind vor Passivrauchen zu schützen:
- Rauchen Sie nicht in Gegenwart von Schwangeren oder Kleinkindern
- Unterlassen Sie Bagatellisierungen, wie "Eine Zigarette nach dem Essen wird schon nicht schaden!"
- Nehmen Sie Abstand von Vorwürfen, wenn es der Schwangeren nicht leicht fällt, auf das Rauchen zu verzichten.
- Motivieren Sie sie, während der Schwangerschaft und nachher rauchfrei zu leben und ggf. Rat und Unterstützung bei Fachpersonen zu suchen.
4 Entwöhnung
Es gibt verschiedene Wege, mit dem Rauchen aufzuhören. Nicht jede Methode ist für jeden geeignet. Die Willenskraft ist das Wichtigste. Aber nur ca. fünf bis zehn Prozent schaffen den Ausstieg allein mit Willenskraft.
Klappt es nicht, lassen Sie sich helfen. Die meisten bedienen sich unterstützender Hilfsmittel.
- Kurs- und Gruppenangebote, Raucherseminare (insbesondere verhaltenstherapeutische Hilfestellung)
- Rauchertelefone
- Akupunktur
- Hypnose
- Medikamente (sogenannte „Nichtraucherpillen“ wie z.B. Champix oder Zyban)
- Nikotinersatzpräparate (Pflaster, Kaugummis)
Übrigens: Selbst ein plötzlicher Rauchstopp der Mutter hat beim Kind keine Entzugserscheinungen zur Folge!
5 Wenn es mit dem Aufhören nicht klappt - Zigarettenkonsum reduzieren
Jede Zigarette schadet. Wenn es mit dem Aufhören nicht sofort klappt, sollte das Rauchen soweit wie möglich reduziert werden. Drei Zigaretten pro Tag schaden eben weniger als zehn.
Jeder rauchfreie Tag tut Ihnen und dem Baby gut, jede Zigarette weniger ist ein Gewinn!
6 Nach der Stillzeit wieder rauchen?
Überlegen Sie, nach der Stillzeit wieder mit dem Rauchen zu beginnen?
Viele Frauen, die während Schwangerschaft und Stillzeit nicht geraucht haben und nach der Stillzeit wieder mit dem Rauchen beginnen, tun dies aus Sorge um ihre Figur. Schließlich müssen „wieder ein paar Pfunde runter“. Es ist wissenschaftlich belegt: Wenn Sie Ihr Kind sechs Monate ausschließlich stillen, kommen Sie automatisch wieder „in Form“ (Empfehlungen der Stillkommission, La Leche Liga).
Haben Sie schon Alternativen versucht? Es gibt andere Wege, die Sie zum gleichen Ziel führen - ohne schädigende Nebenwirkungen.
Ihr Arzt, Ihr Hebamme,
Ihre Beratungsstelle informiert Sie gerne.
7 Gesetzliche Bestimmungen
Im Mutterschutzgesetz und in der Arbeitsplatzverordnung wird der Arbeitgeber verpflichtet, dafür zu sorgen, dass am Arbeitsplatz nicht geraucht wird bzw. die Beschäftigten wirksam vor Gesundheitsgefahren durch Tabakrauch geschützt werden.
Die Politik hat die Risiken des Rauchens erkannt. Die Bundesregierung setzt durch den Beschluss eines
"Gesetzes zum Schutz vor den Gefahren des Passivrauchens" ein entsprechendes Signal.
Darüber hinaus gilt in Bayern das ländereigene
"Gesetz zum Schutz der Gesundheit" (Gesundheitsschutzgesetz - GSG).
Sehen Sie sich an Ihrem Arbeitsplatz ungenügend vor Tabakrauch geschützt, sprechen Sie mit Ihrer Personalstelle, Ihrem Betriebsrat oder der für den Mutterschutz zuständigen Bezirksregierung (Gewerbeaufsichtsamt).
Weitere Informationen zum Mutterschutz finden Sie in unserer Themendatei
Mutterschutz.
8 Weitere Informationen
Weiterführende Informationen zum Thema Rauchen, Nichtrauchen, Tabakentwöhnung, Nichtraucherschutz erhalten Sie bei Ihrem Arzt, Ihrer Hebamme, Ihrer Krankenkasse, der Volkshochschule bzw. einer Suchtberatungsstelle vor Ort, Ihrem Gesundheitsamt und Ihrer
Schwangerenberatungsstelle vor Ort.
Manche Schwangerenberatungsstellen und Gesundheitsämter / Suchthilfeeinrichtungen (wie z.B. in der Oberpfalz) haben ein gemeinsames Beratungs- und Unterstützungskonzept entwickelt.
Rauchertelefone
- Die Telefonberatung der
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zur Raucherentwöhnung: Tel. 01805/313131 - Rauchertelefon des
Deutschen Krebszentrums: Tel. 06221/424200 - Helpline -
Bayern wird rauchfrei: Tel. 0800/1418141
Institut für Raucherberatung und Tabakentwöhnung, München: Tel. 089/68999511- IFT Nord -
Institut für Therapie- und Gesundheitsforschung gemeinnützige GmbH, Kiel: Tel. 0431/570290
"Just be smokefree" - ein Programm für Jugendliche und junge Erwachsene"
Anbieter-Raucherberatung.de - Deutschlands größte Datenbank der Anbieter von Raucherberatungen und Tabakentwöhnung (Kooperation von Deutschem Krebsforschungszentrum und Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung)
Weitere Internetangebote
Rauchfrei.info - Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA)
Rauchfrei.info - Frauen und Rauchen - Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA)
Rauchfrei.de - Nichtraucherportal
Nichtraucherinitiative Deutschland
Wikipedia - Tabakrauchen
Wikipedia - Passivrauchen
IFT - Institut für Therapieforschung, München, Tel. 089/3608040
Landeszentrale für Gesundheit in Bayern - LZG
WHO-Kollaborationszentrum für Tabakkontrolle - Deutsches Krebsforschungszentrum Heidelberg
Deutsche Krebshilfe
Gesundheitsmonitor Bayern - Rauchen und Nichtrauchen in Bayern (2005/Update 2007)
"Schwangerschaft und Rauchen". PDF der PPT-Präsentation von Frau Dr. Georgine Huber, Universität Regensburg, Klinik St. Hedwig (Juni 2007, Regensburg)
"Frauen und Rauchen " - Jahrestagung der Drogenbeauftragten der Bundesregierung am 13/14.10.2008- Informationen zur Vorbeugung gegen den Plötzlichen Säuglingstod finden Sie in der Themendatei
Sicherer Babyschlaf.
Broschüren:
"Ich bekomme ein Baby - rauchfrei für mein Baby"
"Rauchfrei in der Schwangerschaft - Leitfaden für die Beratung Schwangerer zum Rauchverzicht"
"Das Baby ist da - rauchfrei für mein Baby"
"Ihr Kind raucht mit" Was Sie über Passivrauchen wissen sollten
Übersicht PDF - Downloads der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA)
"Passivrauchende Kinder in Deutschland - Frühe Schädigungen für ein ganzes Leben", Deutsches Krebsforschungszentrum, Heidelberg, 2004
"Frauen und Rauchen in Deutschland , Deutsches Krebsforschungszentrum, Heidelberg, 2008
"Schutz der Familie vor Tabakrauch" - Deutsches Krebsforschungszentrum, Heidelberg, 2010




