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Fetales Alkohol Syndrom (FAS)
Wichtige Kennzeichen sind:
- problematischer Alkoholkonsum der Mutter während der Schwangerschaft und
- Wachstumsverzögerungen beim Kind vor und nach der Geburt und
- bestimmte körperliche Auffälligkeiten des Kindes, insbesondere im Gesichtsbereich und
- Funktionsstörungen des Zentralen Nervensystems des Kindes mit entsprechenden Folgeschäden.
An den Rand geschrieben
Würde man Alkohol heutzutage "entdecken", würde er wegen seiner schädigenden Wirkung als "verschreibungspflichtig" eingestuft und wäre nur über Apotheken zu beziehen.
FASD ist die häufigste Behinderung bei Neugeborenen in Deutschland. Doppelt so häufig wie das Down-Syndrom (Bundesministerium für Gesundheit, 2008).
Durch Alkohol werden während der Schwangerschaft mehr Kinder geschädigt als durch Medikamente, Nikotin oder illegale Drogen zusammen.
Aktuelles zum Thema
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Durch Alkohol werden während der Schwangerschaft mehr Kinder geschädigt als durch Medikamente,...
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Schwangerschaft + Alkohol
1 Wie viel Alkohol in der Schwangerschaft ist unschädlich?
Eine genaue Grenze für die Menge Alkohol, unterhalb derer sicher kein Schaden für das Ungeborene besteht, existiert nicht. Das Risiko steigt jedoch mit der Menge des getrunkenen Alkohols. Schädigungen können nicht nur durch anhaltenden Alkoholkonsum während der Schwangerschaft auftreten, sondern auch durch einzelne Gelegenheiten mit höherem Konsum. Selbst bei Einhaltung der allgemeinen Empfehlung, nicht mehr als ein kleines Glas eines alkoholischen Getränks pro Woche zu trinken, können gesundheitliche Schäden nicht absolut ausgeschlossen werden. Als kleines Glas gilt 0,25 l Bier, 0,125 l Wein, 0,1 l Sekt oder 2 cl Schnaps.
Der beste Rat ist daher:
Während der Schwangerschaft ganz auf Alkohol verzichten, um sicher zu gehen, dass das Kind ohne alkoholbedingte Schädigungen zur Welt kommt.
2 Folgen mütterlichen Alkoholkonsums für das Kind
Nimmt die Mutter Alkohol zu sich, so gelangt dieser durch die Nabelschnur zum Kind. Das Ungeborene hat schnell denselben Blutalkoholwert wie die Mutter, bleibt jedoch viel länger alkoholisiert. Es kann den Alkohol nur sehr viel langsamer abbauen, da seine Leber noch nicht vollständig entwickelt ist.
Durch Alkoholkonsum während der Schwangerschaft kann eine Vielzahl dauerhafter Behinderungen und Schädigungen beim Kind auftreten. Die Ausprägung der Symptome reicht dabei von kaum festzustellenden Abweichungen bis zur schweren Schädigung. Partielle Ausprägungen, vor allem im neurologischen Bereich, werden als "Fetale Alkoholeffekte" (FAE) bezeichnet, das Vollbild der Störung als "Fetales Alkoholsyndrom" (FAS) oder "Alkoholembryopathie". In der wissenschaftlichen Literatur findet man auch den Ausdruck "Fetal Alcohol Spectrum Disorder" (FASD) bzw. den deutschen Begriff "Fetale Alkohol-Spektrum-Störungen". FASD wird hier als Überbegriff über alle Formen der Schädigung durch Alkohol verstanden. Das Risiko einer alkoholkranken Frau, die während der Schwangerschaft stark trinkt, ein Kind mit voll ausgeprägtem fetalen Alkoholsyndrom zu bekommen, liegt bei ca. 30 – 40 %. In Deutschland werden jedes Jahr schätzungsweise 8.000 – 10.000 Kinder mit alkoholbedingten Schädigungen geboren, davon ca. 4.000 Neugeborene mit schwersten Entwicklungsstörungen. Alkohol stört die Organbildung des Ungeborenen und führt zu Wachstumsstörungen. Schwer betroffene Kinder sind klein, untergewichtig und kleinköpfig. Auch treten typische Gesichtsveränderungen auf, wie zum Beispiel schmale Lidspalten, nicht ausgeformte Ohren, schmale Oberlippe und Abflachung des Mittelgesichts. Da sich das Gehirn während der ganzen Schwangerschaft intensiv entwickelt, ist es in dieser gesamten Entwicklungsphase besonders verletzlich. Betroffene Kinder zeigen deshalb bleibende geistige und neurologische Schäden wie zum Beispiel Sprach- und Hörstörungen, Intelligenzminderung, Störungen der Feinmotorik, Hyperaktivität und Verhaltensstörungen. Weitere Symptome können Fehlbildungen an Herz, Gefäßen, Harn- und Geschlechtsorganen sowie Extremitäten- und Skelettfehlbildungen sein. Vermehrter Alkoholkonsum während der Schwangerschaft erhöht zudem das Risiko einer Fehl- oder Frühgeburt. Welche Entwicklungsaussichten ein betroffenes Kind hat, hängt von vielen inneren und äußeren Faktoren ab und lässt sich nicht allgemein vorhersagen. Eine Rolle spielen dabei die Art und Schwere der Fehlbildungen sowie das soziale Umfeld und die familiäre Förderung. Bei leichter geschädigten Kindern können vor allem körperliche Beeinträchtigungen ausgeglichen werden. Besonders die psychischen, neurologischen und geistigen Defizite zeigen allerdings oft nur wenig Besserung. Viele Kinder sind ihr Leben lang auf fremde Hilfe angewiesen.
3 In Unwissenheit über die Schwangerschaft Alkohol getrunken – was tun?
In den ersten zwei bis drei Wochen einer Schwangerschaft gilt das sogenannte "Alles-oder-nichts-Gesetz". Entweder haben Alkohol, Medikamente oder andere Drogen die embryonalen Zellen nicht geschädigt oder der Embryo stirbt und geht mit der einsetzenden Periodenblutung ab. Die Gefahr einer Schädigung in den weiteren Wochen der ersten drei Monate ist dagegen besonders hoch. Viele Frauen sind in den ersten Wochen unwissentlich schwanger und trinken deshalb weiterhin Alkohol. Die meisten von ihnen bringen gesunde Kinder zur Welt. Ob es durch den Alkoholkonsum jedoch zu einer Beeinträchtigung gekommen ist, lässt sich nicht mit Sicherheit voraussagen. Sobald die Schwangerschaft bekannt ist, sollte jedenfalls kein Alkohol mehr getrunken werden, damit sich das Kind im weiteren Verlauf ungestört entwickeln kann.
4 Wenn der Verzicht auf Alkohol schwer fällt
Nicht allen Frauen fällt es leicht, während der Schwangerschaft auf Alkohol zu verzichten. Nur 20% der Frauen trinken während ihrer Schwangerschaft keinen Alkohol, über 8% haben einen riskanten Alkoholkonsum. Manchen hilft es, sich die Vorteile einer Reduzierung der Trinkmenge deutlich zu machen und sich eine Grenze für die Menge pro Woche zu setzen. Kritische Situationen, die zum Alkoholkonsum verleiten, sollten bewusst gemacht und Alternativen zum Trinken gesucht werden. Dabei ist es sinnvoll, die guten Vorsätze nicht von Tag zu Tag zu verschieben, sondern den Alkoholkonsum so schnell wie möglich auf ein Minimum zu reduzieren. Manchmal sind mehrere Anläufe notwendig, deshalb ist es hilfreich, sich nicht gleich entmutigen zu lassen, falls es nicht auf Anhieb gelingt. Tipps zur Selbsthilfe reichen jedoch oft nicht aus. Deshalb sollte sich eine betroffene Frau bei Unsicherheiten und Fragen nicht scheuen, sich Unterstützung bei ihrer Frauenärztin / ihrem Frauenarzt oder der Hebamme zu holen. Auch Fachberatungsstellen für Suchtfragen helfen gerne weiter. Viele haben ein schlechtes Gewissen oder schämen sich wegen ihres Alkoholkonsums in der Schwangerschaft und dafür, dass ihnen der Verzicht schwer fällt. Sich Rat und Unterstützung zu holen, statt zu schweigen, entlastet, und hilft sowohl der Frau als auch dem ungeborenen Kind. Mit jedem Glas, auf das verzichtet wird, tut man seinem Kind etwas Gutes. Fühlen Sie sich angesprochen?
Ihre Schwangerenberatungsstelle nennt Ihnen Ansprechpartner in Ihrer Nähe. (
Weiter zum Beratungsstellenverzeichnis)
5 Stillen und Alkohol
Alkohol gelangt nicht nur sofort ins Blut, sondern auch in die Muttermilch. Das Baby trinkt beim Stillen auf diese Weise mit. In der Stillzeit sollte deshalb ebenfalls kein Alkohol getrunken werden. Will die Mutter - beispielsweise bei einer Feier - dennoch nicht ganz auf Alkohol verzichten, ist es sinnvoll, wenn sie sich auf ein alkoholisches Getränk unmittelbar nach dem Stillen beschränkt. Dies sollte allerdings eine Ausnahmesituation bleiben. Für den zeitlichen Abstand zwischen Trinken und Stillen gilt, dass die Leber der Mutter für jedes kleine Glas ca. 1,5 bis 2 Stunden braucht, um den darin enthaltenen Alkohol ganz abzubauen.
6 Alkoholprobleme erfolgreich verschwiegen?
Ist es Ihnen gelungen, Ihren Alkoholmissbrauch während der Schwangerschaft anderen gegenüber zu verheimlichen und entwickelt sich Ihr Kind nun nicht wie andere Kinder? Braucht es zum Beispiel für manche Entwicklungsschritte deutlich länger oder vermissen Sie an ihm die eine oder andere Fähigkeit?
Und Sie? Machen Sie sich Vorwürfe, selbst in dieser für Ihr Kind so wichtigen Zeit nicht auf Alkohol verzichtet zu haben? Befürchten Sie, durch Ihren Alkoholkonsum Ihr Kind nicht immer gut versorgen zu können? So schwierig es auch ist: Wenden Sie sich an Ihren Arzt oder eine Schwangeren- bzw. Suchtberatungsstelle. Beratungsstellen informieren auch anonym. Durch frühzeitige Behandlung können Sie Ihr Kind in seiner Entwicklung unterstützen. Bestrafen Sie es nicht ein zweites Mal, indem Sie ihm die notwendige Förderung vorenthalten! Wagen Sie erneut den Schritt, etwas gegen Ihren riskanten oder abhängigen Alkoholkonsum zu unternehmen. Dies ist mutig und verantwortungsvoll - Ihnen und dem Kind gegenüber.
Ihre Schwangerenberatungsstelle nennt Ihnen Ansprechpartner in Ihrer Nähe. (
Weiter zum Beratungsstellenverzeichnis)
7 Und die Väter?
Alkohol kann die Potenz und die sexuelle Lust herabsetzen. Bei übermäßigem und längerfristigem Alkoholkonsum steigt der Anteil der fehlgebildeten Spermien und die Samendichte nimmt ab. Das bedeutet, dass zum einen die Zeugungsfähigkeit sinkt und zum anderen durch deformierte Samenzellen dem möglicherweise daraus entstehenden Kind Schaden zugefügt werden kann. Kinder von männlichen Alkoholikern zeigen häufiger Hyperaktivität und Beeinträchtigungen ihrer intellektuellen Fähigkeiten als die nicht trinkender Väter. Ist ein Mann der ansonsten nur selten alkoholische Getränke konsumiert, während des Zeugungsaktes betrunken, hat dies in der Regel keinen Einfluss auf eine Alkoholschädigung des Ungeborenen. Doch auch während der Schwangerschaft tragen Sie als Mann eine Mitverantwortung. Manchmal kann es belastend sein, wenn Sie weiterhin Alkohol trinken, während Ihre Partnerin hierauf verzichtet, im ungünstigsten Fall kann sie sogar zum Weitertrinken animiert werden.
Partner, Angehörige, Bekannte - Auch Sie können mithelfen, der künftigen Mutter zu erleichtern, Ihr Kind vor Alkohol zu schützen:
- Bieten Sie keinen Alkohol an
- Schränken Sie in ihrer Anwesenheit Ihren Alkoholkonsum ein oder verzichten Sie darauf
- Bieten Sie wohlschmeckende nichtalkoholische Getränke an
- Unterlassen Sie Bagatellisierungen, wie "Ein Glas wird schon nicht schaden!"
- Nehmen Sie Abstand von Vorwürfen, wenn es der Schwangeren nicht leicht fällt, auf Alkohol zu verzichten.
- Motivieren Sie sie, während der Schwangerschaft alkoholabstinent zu leben und ggf. Rat und Unterstützung bei Fachpersonen zu suchen.
8 Weitere Informationen
Links
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): - Beratungstelefon: 0221-892031 (täglich ab 10 Uhr)
"Alkohol in der Schwangerschaft", Expertise der BZgA 2002
"Auf dein Wohl mein Kind" - Ein Ratgeber zum Thema Alkohol für werdende Eltern, BZgA 2009
"Kenn-Dein-Limit.de" - Selbsttests, Beratungsstellen, Informationsmaterial; BZgA
Fasworld Deutschland - Informationen und Forum rund um das Fetale Alkoholsyndrom
Faskinder - Informationen plus Extra-Seiten für Kinder
"Alkohol konsumierende Schwangere in der Schwangerenberatung" - Deutsches Ärzteblatt 2004
Gesundheitsmonitor Bayern (2/2005) - Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit
"Schwangerschaft und Alkohol" - Informationen für werdende Mütter, Väter sowie Nahestehende. Schweizer Fachstelle für Alkohol und Drogenprobleme
"Alkohol und Schwangerschaft" - Informationen für Fachleute. Schweizer Fachstelle für Alkohol und Drogenprobleme
FAS - "Eine vermeidbare Tragödie" (private Seite)
Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V.
Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V. - Informationen zum Thema: Alkohol in der Schwangerschaft
deutschlandweit erste Beratungsstelle für alkoholgeschädigte Kinder und erste Wohngemeinschaft für junge Erwachsene mit FASD, Berlin (die Arbeit der Beratungsstelle wurde - aufgrund der Eröffnung des Zentrums für Menschen mit angeborenen Alkoholschäden an der Charitè Berlin Anfang des Jahres 2010 - eingestellt)
Zentrum für Menschen mit angeborenen Alkoholschäden an der Charité (FASD-Zentrum); Zentrum für Menschen mit angeborenen Alkoholschäden, Campus-Virchow-Klinikum Charité, Berlin;
Uniklinikum Münster - Sozialpädiatrisches Zentrum, FAS-Ambulanz, Universitäts-Ambulanz für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit Fetalem Alkohol-Syndrom sowie für Kinder opiat- und opioidabhängiger Mütter, Dipl. Psych Dr. Reinhold Feldmann
Fetales Alkoholsyndrom - Seite der FAS-Ambulanz des Universitätsklinikums Münster, Dr. Reinhold Feldmann
NACOA Deutschland - Interessenvertretung für Kinder aus Suchtfamilien e.V.
Universität Zürich - Langzeitstudie von Prof. Hans-Christoph Steinhausen, Ordinarius für Kinder- und Jugendpsychiatrie an der Universität Zürich
Videos
- "Jetzt weiß ich es war falsch – Alkohol in der Schwangerschaft" Ein Film von Gerhard Faul über Alkoholembryopathie / Fetales Alkoholsyndrom, 2001, 28 min Länge.
- "Alkohol in der Schwangerschaft – Jetzt lieber nicht!" Ein Aufklärungsfilm von Gerhard Faul für ein junges Publikum über die Folgen von Alkoholkonsum während der Schwangerschaft, 2001, 17 min Länge.
Beide Videos sind bestellbar, entweder direkt beim Produzenten
Gerhard Faul, Medienladen e.V. oder bei
Matthias-Film gemeinnützige GmbH.
In Bayern können Sie sie über eine
Schwangerenberatungsstelle in Ihrer Nähe bzw. über Ihr Gesundheitsamt auch ausleihen.



