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Beratungsstellen für Eltern mit Schreibabys
Das Bayerische Sozialministerium weist in einem neuen Faltblatt auf Beratungs- und...
Schreibabys
Von
Christina Mücke
Alle Babys schreien – das ist ganz normal. Sie machen dadurch auf ihre Bedürfnisse aufmerksam. Gründe für das Weinen können Hunger, Durst oder Schmerzen sein. Vielleicht ist die nasse Windel unangenehm oder das Baby verspürt Langeweile und wünscht sich Nähe. Oder aber das Baby ist müde und die Anregungen um das Kind herum stellen ein Zuviel dar. In jedem Fall versetzt das Schreien des Babys die Eltern in Unruhe und sie werden versuchen, die Ursache des Weinens herauszufinden und die Bedürfnisse des Kindes zu befriedigen. Manche Babys jedoch schreien länger und intensiver als andere. Sie sind entweder nur sehr schwer oder gar nicht zu beruhigen. Diese Babys werden als "Schreibabys" bezeichnet.
1 Begriffserklärung
Unter Schreibabys versteht man Babys, die mindestens 3 Wochen lang an 3 Tagen in der Woche mehr als 3 Stunden am Tag schreien.
Die Kinder schreien meist in den Abendstunden ohne erkennbaren Grund und sind gesund.
Dieses exzessive Schreien tritt meist in den ersten 3 Lebensmonaten auf. Es kann aber auch bis zum 6. Lebensmonat bestehen bleiben.
2 Ursachen und Gründe für exzessives Schreien
Zuerst sollte genau abgeklärt werden, ob eine organische Ursache, z. B. eine Funktionsstörung des Magen-Darm-Traktes oder eine andere Ursache vorliegt.
In vielen Fällen handelt es sich jedoch um Regulationsstörungen bzw. Anpassungsschwierigkeiten des Babys, d. h. das Kind hat noch keinen eigenen Schlaf- und Wachrhythmus gefunden. Es ist nicht fähig, sich selbst zu beruhigen und auf tröstende Worte zu reagieren. Oft haben die Eltern den Eindruck, ihr Kind ist völlig übermüdet und kann trotzdem nicht zur Ruhe kommen. Viele Eltern versuchen dann, ihr Kind auf verschiedene Art und Weise zu beruhigen und bieten dem Baby immer wieder neue Reize an. Dies führt oft zu einer Reizüberflutung und zu einem extremen Schreien.
Ferner können vorgeburtliche Belastungen, Probleme bei der Geburt, psychosoziale Faktoren oder emotional belastende Bindungs- und Beziehungserfahrungen der Eltern eine Rolle spielen. Die Eltern fühlen sich selbst überfordert, das Baby spürt dies und es reagiert mit vermehrtem Schreien. Es entsteht ein Teufelskreis. Die Eltern-Kind-Interaktion ist gestört.
3 Hilfen
3.1 Elterliche Maßnahmen
- Wichtig ist es, feinfühlig die Signale des Kindes frühzeitig zu erkennen und richtig zu interpretieren, um dann angemessen und schnell zu reagieren.
- Wenn das Baby wach ist, die Zeit für gemeinsame Spiele nutzen.
- Den Tagesablauf strukturieren, d. h. feste und regelmäßige Schlaf- und Wachzeiten einführen.
- Entwickeln Sie Einschlafrituale. Sobald das Baby erste Anzeichen von Müdigkeit zeigt, legen Sie es in sein Bettchen.
- Das Baby zur Ruhe kommen lassen. Singen Sie Ihrem Kind etwas vor oder sprechen Sie ruhig mit ihm. Gegenstände, die das Kind ablenken, z. B. Spieluhr, zu viele Kuscheltiere usw. entfernen.
- Das Baby nicht zu vielen Reizen aussetzen und bei einer Beruhigungsmethode längere Zeit bleiben. Weniger ist oft mehr.
- Einen engen Körperkontakt herstellen, indem man das Baby am Tag in einem Babytuch trägt. Sie können Ihr Kind aber auch auf den nackten Oberkörper legen, um es zu beruhigen.
- Streicheln und massieren Sie Ihr Baby.
- Muten Sie sich selbst nicht zu viel zu und überfordern Sie sich nicht. Das Baby spürt Ihre Überlastung. Gönnen Sie sich eine kurze Auszeit und nutzen Sie die Zeit, um selbst zur Ruhe zu kommen und neue Kraft zu schöpfen. Bitten Sie andere Personen um Hilfe, z.B. Partner, Familienangehörige, Freundinnen. Oft können außenstehende Personen das Baby eher beruhigen und trösten.
Auch wenn alle Ihre Bemühungen nichts helfen und Sie am Ende Ihrer Kräfte sind, aber Ihr Baby mit dem Schreien nicht aufhören will – eines dürfen Sie keinesfalls tun: Schütteln! Schütteln ist lebensgefährlich!
Ausführliche Informationen hierzu bietet die
"Projektgruppe Schütteltrauma" der Medizinischen Hochschule Hannover.
3.2 Professionelle Hilfen
Wenn sich Ihr Baby trotzdem nicht beruhigen lässt und Sie nicht mehr weiter wissen, suchen Sie sich in Ihrer Umgebung professionelle Hilfe und Beratung. Wichtig ist es, frühzeitig Hilfe in Anspruch zu nehmen. Warten Sie nicht erst ab, bis Sie völlig erschöpft sind und Sie von Selbstzweifeln und Schuldgefühlen geplagt werden.
Hilfreich kann es auch sein, ein "Schreitagebuch" zu führen. Darin werden die Zeiten eingetragen, in der Ihr Baby schläft, wach ist oder schreit.
In vielen Großstädten gibt es "Schreiambulanzen" an Kinderkliniken. Dort können Sie sich telefonisch beraten lassen oder einen Termin für ein persönliches Gespräch vereinbaren.
Oder wenden Sie sich an Kinderärzte oder Sozialpädiatrische Zentren.
In der Beratung erhalten Eltern Unterstützung in Bezug auf beruhigende Verhaltensmaßnahmen für ihr Kind und entlastende Maßnahmen für sich selbst (z. B. Erlernen von Entspannungstechniken, Bewältigung von Alltagsproblemen).
Denn gelassene und entspannte Eltern wirken sich auch positiv auf das Baby aus.
4 Weitere Informationen
Gesellschaft für seelische Gesundheit in der frühen Kindheit (GAIMH e.V)
Trostreich.de - Interaktives Netzwerk Schreibabys
Online-Familienhandbuch - Schreibabys: Wenn die Nerven der Eltern blank liegen
Online-Familienhandbuch – Schreiambulanzen – Frühe Hilfen in den ersten Lebensmonaten und -jahren
Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung – Kindergesundheit-Info.de
Beratungsangebot für Schreibabys in Bayern (Übersicht des Bayerischen Staatsministeriums für Arbeit und Sozialordnung, Familie und Frauen)
Literaturtipps
Fries, Mauri (2006): Unser Kind schreit Tag und Nacht. Hilfe für erschöpfte Eltern, Reinhardt, München und Basel
Bartl, Renate (2008): Was mein Schreibaby mir sagen will, Beltz, Weilheim und Basel
Rankl, Christine (2008): So beruhige ich mein Baby. Walter, Düsseldorf, Zürich
Wilhelm und Zara Gienger (2005): Mein Baby schreit – was tun? So helfen sie sich und ihrem Kind, Urania, Stuttgart.



