Partnerschaft und Konflikte

 


Veränderung der Paarbeziehung

Nahezu jede Partnerschaft hat Höhen und Tiefen. Vor allem langjährige Partnerschaften und besonders jene mit Kindern kennen verschiedene Phasen.

Ist am Beginn einer Beziehung meist alles neu, aufregend und vielversprechend, wird nach einiger Zeit der Alltag einkehren: man kennt die Partnerin, den Partner nun besser, weiß um ihre / seine Stärken und Schwächen und gewöhnt sich vielleicht langsam aneinander…
Das kann sehr schön, beruhigend und stärkend sein.
Aber es kann auch Langeweile auftreten, Routine und Alltag können die Gefühle für einander überdecken oder es treten Konflikte auf, die früher nicht da waren – oder über die man großzügig hinweg gesehen hat.

Die in der Paarbeziehung gewachsenen Rollen ändern sich, wenn ein Kind geboren wird.

Es geht nun nicht mehr nur um die Interessen der beiden Partner, sondern vor allem um die Übernahme von Verantwortung für das neue Familienmitglied und um dessen Bedürfnisse wie etwa Liebe, Aufmerksamkeit und Zuwendung.

Eine Partnerschaft oder Ehe mit Kindern stellt das Paar vor neue Herausforderungen und birgt neue Reibungs- oder Konfliktpunkte, z. B. Themen wie Geld, Rollenverteilung und damit verbundenen Aufgaben in der Familie, Erziehung, eigenen Freiheiten oder Zukunftsperspektiven.

Kindern vermitteln ihren Eltern viel Freude, Stolz und oft das tiefgreifende Gefühl der Sinnhaftigkeit der eigenen Existenz oder schlicht der Gewissheit, mit der eigenen Elternschaft „etwas richtig gemacht zu haben“.

Kinder bedeuten meist aber auch viel Arbeit, gute Organisation und Planung und nicht selten Einschränkungen: Kinder haben eigene Bedürfnisse, Kinder sollten gefördert und unterstützt werden.

Das kostet nicht nur Geld, sondern meist auch Kraft. Und neben der „Familienarbeit“ gibt es noch den Beruf und andere Verpflichtungen.
Da wird Zeit manchmal sehr knapp.
Kommen noch Sorgen, Ängste, eigene Probleme und Nöte oder andere Belastungen hinzu, können die Nerven schnell blank liegen.


Was hast du denn, Schatz?

Vielen Eltern, vor allem kinderreichen Eltern oder Eltern von Babys und Kleinkindern, bleibt meist nicht genügend Zeit, sich neben den familiären und beruflichen Verpflichtungen um ihre eigenen Bedürfnisse zu kümmern.

Auch die Zeit für Zweisamkeit kommt oft zu kurz. Und Freunde treffen oder regelmäßig Sport treiben – das gehört manchmal schon der Vergangenheit an.
Dass dabei neben den eigenen Bedürfnissen auch die des Partners (teilweise) auf der Strecke bleiben, ist häufig zu beobachten/erscheint häufig unausweichlich.

Kommen dann noch Missverständnisse oder unausgesprochene Konflikte hinzu, kann das die Paarbeziehung zusätzlich erschweren.

Wichtig ist zunächst vor allem eines:


Sprechen Sie mit Ihrem Partner / Ihrer Partnerin, teilen Sie ehrlich mit, was Sie fühlen, was Sie vermissen, was Sie belastet und was Sie sich wünschen.
Und fragen Sie umgekehrt Ihren Partner oder Ihre Partnerin danach.


Nur ein vorübergehender Zustand?

Meist sind konfliktreiche oder unzufriedene Phasen in der Partnerschaft kein Dauerzustand.
Je älter die Kinder werden, desto mehr Freiräume bekommen auch die Eltern wieder und die Situation entspannt sich.

Sind die Konflikte tiefgreifender und sind beide Partner so unzufrieden und frustriert, dass sie ernsthaft an der Fortsetzung der Beziehung zweifeln, können Beratungsgespräche oder eine Paartherapie sinnvoll sein.


Beratungsstellen für Schwangerschaftsfragen

Die Beratungsstellen für Schwangerschaftsfragen bieten Beratungsgespräche bei Konflikten in der Partnerschaft, die aufgrund der Schwangerschaft oder in der Schwangerschaft auftreten.

Bei Partnerschaftskonflikten und -problemen innerhalb der Familie können Sie sich an die Ehe- und Familienberatungsstellen in Bayern wenden.

Liegt eine psychische Erkrankung vor?

Manchmal hängen Partnerschaftskonflikte auch mit einer psychischen Erkrankung eines oder gar beider Elternteile zusammen.
Welche Symptome auf eine psychische Erkrankung hinweisen können und wie es weitergehen kann lesen Sie hier.

 

Gelungene Kommunikation

Wissenschaftliche Studien haben gezeigt, dass einer der wichtigsten Faktoren für eine glückliche Partnerschaft die Art und Weise ist, wie Paare miteinander kommunizieren.
Das Bayerische Familienministerium hat daher zusammen mit dem Institut für Forschung und Ausbildung in Kommunikationstherapie e. V. drei interaktive DVDs unter dem Titel „Gelungene Kommunikation …damit die Liebe bleibt“ entwickelt, die helfen sollen, typische Fehler im Gespräch zu erkennen und Konflikte in der Partnerschaft besser zu lösen.
Die DVDs zeigen anhand anschaulicher Paarsituationen unterschiedliche Kommunikationsstile und ihre Wirkung auf die Partnerschaft. Die drei unterschiedlichen DVDs für junge Paare, für Paare in mehrjähriger Beziehung und für Paare im (Un-) Ruhestand können gegen einen Unkostenbeitrag von 10,00 € je DVD inklusive informativer Begleitbroschüre zuzüglich Versandkosten beim Institut für Forschung und Ausbildung in Kommunikationstherapie e. V., Rückertstraße 9, 80336 München unter www.institutkom.de oder per E-Mail unter info@institutkom.de, Telefax: 089/544311-26 bestellt werden.

Die DVD für junge Paare ist zudem der Broschüre des Bayerischen Familienministeriums „Wir heiraten“ beigelegt, die kostenlos unter www.stmas.bayern.de oder beim Bürgerbüro Tel. 089/1261-1680, Fax. 089/1261-1470 oder Email: Buergerbuero@stmas.bayern.de bestellt werden kann.


Was sonst noch hilft

Ein offenes Gespräch und eine gute Kommunikation können helfen, partnerschaftliche Konflikte zu lösen. Daneben kann es hilfreich sein,


- Die eigene Einstellung zu überdenken

Ein Haushalt mit (kleinen) Kindern wird nie so sauber und aufgeräumt sein wie die Single-Wohnung der Freundin. Und der Berg der Hausarbeit wird nie abgearbeitet sein…es fallen immer neue Aufgaben an.
Tun Sie, was Sie können, aber gönnen Sie sich Auszeiten und lassen Sie auch einmal „fünf gerade sein“.


- Prioritäten zu setzen

Wenn Zeit und Energie knapp bemessen sind, empfiehlt es sich, Prioritäten zu setzen:

- Welches Hobby möchte ich unbedingt weiterpflegen?
- Welche Freundschaften sind mir wirklich wichtig?
- Kann ich gewisse Dinge miteinander verbinden, kombinieren?
- Wo vertrödele ich unnötige Zeit?


- Aufgabenteilung zu besprechen

Die Aufgabenteilung in der Familie ist oft Grund für Unstimmigkeiten zwischen den Partnern.
Hier sollte auf eine gerechte Verteilung der beruflichen und familiären Aufgaben geachtet werden.
Suchen Sie das offene Gespräch mit dem Partner und legen Sie fest, wer welche Aufgaben übernimmt.

Auch Ihre Kinder können Sie in die Hausarbeit mit einbeziehen:
Schon Kinder im Kindergartenalter können regelmäßige, kleine Aufgaben übernehmen. Je älter die Kinder sind, desto mehr Aufgaben dürfen Sie ihnen anvertrauen.
Das ist nicht nur gut für das Selbstbewusstsein und die Wertschätzung der Arbeit anderer Familienmitglieder, sondern vermittelt den Kindern Pflichtgefühl und Verantwortungsbewusstsein. Sie lernen, dass sie Mitglied einer Familie sind und einen wichtigen Beitrag dazu leisten.

- Freiräume zu schaffen

Sie als Eltern sollten in und wieder Zeit nur für sich alleine haben – und auch Zeiten für die Paarbeziehung.
Dies ist nicht immer einfach zu realisieren, und scheitert oft an der Betreuung der Kinder.
Vielleicht leisten Sie sich eine Babysitterin? Oder Sie lassen abends einmal alles liegen und kümmern sich nur um die Beziehung? Ein gutes Essen, ein ehrliches Gespräch oder gemeinsam geschmiedete Zukunfts- oder Urlaubspläne bewirken oft schon viel.

 


Herausforderungen annehmen - Die positive Seite sehen

Zwar leben wir lieber ohne Konflikte und reißen uns meist nicht um große Veränderungen, aber oft tragen gerade die unangenehmen Dinge im Leben dazu bei, dass wir etwas dazulernen, dass wir wachsen und unsere Fähigkeiten weiter entwickeln.

Wir lernen uns selbst und andere Menschen besser kennen und fühlen uns nach gelösten Konflikten stärker und unabhängiger.
Partnerschaftliche Konflikte bringen die jeweiligen Partner oft auch näher zusammen – in vielen Beziehungen wächst die Achtung und der Respekt vor dem Anderen.

 

Weiterführende Informationen