Minderjährig schwanger – und jetzt?

 

Minderjährige Schwangere brauchen besondere Unterstützung.
Die Kenntnis der Schwangerschaft ist meist von Anfang an überlagert von vielen Fragen, Unsicherheiten und Problemen, die sich für die Schwangere und ihr soziales Umfeld aufgrund der frühen Schwangerschaft ergeben.

Für junge Schwangere ist es besonders wichtig, sich zunächst einmal mit den eigenen Gefühlen auseinander zu setzen. Manche möchten die meist überraschende Botschaft alleine verarbeiten, andere bevorzugen das Gespräch mit der besten Freundin oder einer anderen Vertrauensperson, vielleicht auch mit der Schulpsychologin / dem Schulpsychologen oder einer Arbeitskollegin.

Beratungsstelle für Schwangerschaftsfragen

Wenn du minderjährig und schwanger bist, kannst du dich jederzeit an eine Beratungsstelle für Schwangerschaftsfragen wenden. Die Beraterinnen und Berater verstehen deine Probleme und wissen, wie wichtig für junge Schwangere Beratung und Hilfe ist. Das Beratungsgespräch ist selbstverständlich streng vertraulich und du kannst selbst entscheiden, ob eine Vertrauensperson (zum Beispiel deine Eltern oder eine Freundin) dabei sein soll oder ob du alleine mit der Beraterin / dem Berater sprechen möchtest. Du kannst dich auch anonym, also ohne Nennung deines Namens, beraten lassen.

Die Beratungsstellen bieten zum Beispiel:

  • ein offenes, wertfreies und vertrauliches Gespräch,
  • Informationen über das Leben mit einem Kind und über die damit verbundenen Veränderungen
  • Hilfestellung und Unterstützung bei schwierigen Gesprächen, zum Beispiel mit den eigenen Eltern, dem Vater des Kindes oder dessen Eltern
  • Eine ergebnisoffene Beratung
  • Informationen über Mutter-Kind-Häuser, Pflegefamilien, über die Möglichkeit der Freigabe des Kindes zur Adoption und zum Schwangerschaftsabbruch
  • Informationen über finanzielle Hilfen, Betreuungsmöglichkeiten für das Kind und die Ausübung eines Berufs oder den Erwerb eines Schulabschlusses für die junge Mutter
  • Informationen und Hilfestellung ebenso für den Vater des Kindes sowie für die Eltern der Schwangeren bzw. des Vaters
  • Die Vermittlung weiterer Hilfen, z.B. durch das Jugendamt

Wem erzähle ich von der Schwangerschaft?

Besonders für junge Schwangere kann es sehr belastend sein, den eigenen Eltern oder dem Vater des Kindes von der Schwangerschaft zu erzählen.
Vielleicht hast du keine feste Partnerschaft oder dein Partner wird eher nicht begeistert sein, wenn er von der Schwangerschaft erfährt.
Deine eigenen Eltern können vielleicht vorwurfsvoll oder gar wütend reagieren.
Und vielleicht siehst du dich oft mit der Frage konfrontiert, wie das denn nur passieren konnte…

Als hättest du jetzt nicht genug Dinge, die dir im Kopf herumgehen.

Nach Möglichkeit solltest du dir vorab Gedanken machen, was die Schwangerschaft für dich bedeutet oder welche Folgen sie für dich haben kann, bevor du die Gedanken und Meinungen anderer Menschen zu hören bekommst. Manchmal ist das, was andere Personen sagen oder vorschlagen sehr verwirrend oder auch verletzend. Besonders in einer Situation, die dich vielleicht eh schon in ein emotionales Chaos gestürzt hat.

Dann ist es wichtig, dass du dir vorher überlegt hast, wie du zu deiner Schwangerschaft stehst und was für dich gut oder eher belastend ist.

Zu Allererst solltest du dir überlegen, wem du von der Schwangerschaft erzählen möchtest und wann du dies tun willst.
Wenn du Angst vor dem Gespräch mit dem Vater des Kindes oder deinen Eltern hast, kannst du dich zuerst an die Beratungsstelle für Schwangerschaftsfragen wenden. Hier bekommst du auch kurzfristig einen Termin und kannst vertraulich besprechen, wie und wann du es deinen Eltern oder dem Vater des Kindes mitteilst.

In weiteren Terminen können alle anderen wichtigen Dinge geklärt werden, auch zusammen mit deinen Eltern oder dem Vater des Kindes, wenn du möchtest.
Du bist aber nicht verpflichtet, andere Personen an den Gesprächen teilnehmen zu lassen – du kannst auch alleine in die Beratungsstelle gehen.


 

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Der Vater des Kindes

Auch wenn der Vater sich vielleicht noch kein Kind gewünscht hat:
Er hat ein Recht, von der Schwangerschaft zu erfahren.
Und auch das Kind hat ein Recht auf seinen Vater, deshalb solltest du nach Möglichkeit das Gespräch suchen. Auch für einen jungen Mann ist es meist ein Schock, wenn er von der Schwangerschaft erfährt. Er wird erst einmal Zeit brauchen, die Nachricht zu verarbeiten.

Eine Entscheidung für oder gegen das Kind wird für euch beide leichter zu tragen sein, wenn es eure gemeinsame Entscheidung ist.
Solltet ihr euch nicht einig sein und verschiedene Meinungen haben, ist es trotzdem wichtig, dass ihr euch ausgetauscht habt.
In jedem Fall wird von euch beiden eine Entscheidung getroffen, die euer ganzes weiteres Leben prägt.

Die eigenen Eltern

Wahrscheinlich sind deine Eltern von der Schwangerschaft genauso überrascht wie du selbst. Vielleicht habt ihr ein gutes Verhältnis und du kannst offen mit deinen Eltern oder einem Elternteil sprechen. Vielleicht ist euer Verhältnis aber auch nicht so gut und du bist unsicher, wie du es deinen Eltern sagen sollst.

In vielen Fällen spielen die eigenen Eltern eine große Rolle:

Das Erleben der Schwangerschaft und besonders das Leben mit dem eigenen Kind wird viele Gefühle in dir auslösen.

Zudem wirst du zusätzliche Unterstützung brauchen, wenn dein Kind da ist. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn du die Schule beenden möchtest oder in der Ausbildung bist.

Wenn deine Eltern dir ihre Hilfe anbieten, solltest du überlegen, wie und in welcher Form du diese annehmen möchtest oder kannst.
Vielleicht wohnst du weiterhin bei deinen Eltern – oder ist dir eine eigene Wohnung jetzt sehr wichtig? Betreuen deine Eltern das Kind, wenn du in der Schule bist, oder möchtest du das nicht? Fühlst du dich aufgehoben und unterstützt von deinen Eltern – oder ist ein wenig mehr Abstand jetzt notwendig?Auch darüber kannst du in der Beratungsstelle für Schwangerschaftsfragen sprechen.

Wenn das Verhältnis zu deinen Eltern sehr schlecht ist und du meinst, dass sie dir keine Hilfe sein werden und du stattdessen Abstand brauchst, werden dich die Beratungsstellen für Schwangerschaftsfragen und das Jugendamt beraten, welche Möglichkeiten es für dich und dein Kind gibt.

Das Jugendamt

Jugendämter bieten Kindern, Jugendlichen und deren Eltern Beratung und Unterstützung an, zum Beispiel in Erziehungsfragen, in rechtlichen Angelegenheiten oder bei Problemen, die das Wohl des Kindes gefährden könnten. Minderjährige Schwangere, Mütter oder Väter können sich immer an das Jugendamt wenden. Beratung und Hilfestellung sind kostenlos.

Schwangere und Mütter sowie Väter erhalten Hilfe vom Jugendamt zum Beispiel

  • bei der Vaterschaftsfeststellung bei der Klärung des Sorge- und Umgangsrechts
  • bei Unterhaltsfragen, zum Beispiel zum Unterhaltsvorschuss durch das Jugendamt
  • bei Fragen zur Beistandschaft
  • bei Fragen zur Adoption und zu Pflegefamilien
  • bei der Suche nach einer geeigneten Wohnform,
  • der Vermittlung von Kinderbetreuungsplätzen oder
  • Hilfen im häuslichen Umfeld, z.B. durch Erziehungsbeistand oder Sozialpädagogische Familienhilfe

 

Elterliche Sorge minderjähriger Eltern

Da zwei Minderjährige nach deutschem Recht nicht miteinander verheiratet sein kön-nen (§ 1303 BGB), steht bei minderjährigen Elternteilen die elterliche Sorge allein der Mutter zu, solange nicht beide Elternteile entsprechende Sorgeerklärungen abgeben oder das Familiengericht ihnen die elterliche Sorge gemeinsam überträgt (§ 1626a BGB).

Elterliche Sorge ist nach § 1626 BGB die Pflicht und das Recht der Eltern, für ihr Kind zu sorgen. Die elterliche Sorge umfasst die Sorge für die Person des Kindes (Personensorge) und das Vermögen des Kindes (Vermögenssorge).

Die minderjährige Mutter ist bis zum Erreichen des 18. Lebensjahres jedoch nicht be-rechtigt, die elterliche Sorge auszuüben, soweit es um die Vermögenssorge oder die rechtliche Vertretung des Kindes geht (§§ 1673, 1675 BGB). Insoweit „ruht“ ihre elterliche Sorge. Wenn nicht bereits vor der Geburt des Kindes ein Vormund durch das Familiengericht bestellt wurde (§§ 1779, 1789 BGB), wird mit der Geburt des Kindes das Jugendamt kraft Gesetzes Vormund (§ 1791c BGB). Der Vormund hat das Recht und die Pflicht, für die Person und das Vermögen des Kindes zu sorgen und das Kind rechtlich zu vertreten (§ 1793 BGB).

Allerdings steht der Mutter des Kindes – neben dem Vormund als gesetzlichem Ver-treter des Kindes – die tatsächliche Personensorge zu (§ 1673 BGB). Die Personensorge umfasst neben der Fürsorge für das Kind und der Bestimmung seines Namens die Pflicht und das Recht, das Kind zu pflegen, zu erziehen, zu beaufsichtigen und seinen Aufenthalt zu bestimmen (§ 1631 BGB).

Minderjährigen Eltern steht die elterliche Sorge hingegen gemeinsam zu, wenn sie entsprechende Sorgeerklärungen abgegeben haben, also z.B. beim Jugendamt erklärt haben, dass sie die Sorge gemeinsam übernehmen wollen. Ebenfalls ist möglich, dass das Familiengericht – meist auf Antrag des Vaters – die elterliche Sorge den Eltern gemeinsam überträgt, wenn die Übertragung dem Kindeswohl nicht wi-derspricht (§ 1626a BGB). Solange der Vater des Kindes minderjährig ist, ruht auch bei ihm die elterliche Sorge, soweit es um die Vermögenssorge oder die rechtliche Vertretung des Kindes geht. Das oben Gesagte gilt dann entsprechend.

Ist oder wird ein sorgeberechtigter Elternteil volljährig, so hat er die elterliche Sorge hinsichtlich der Vermögenssorge und der rechtlichen Vertretung allein auszuüben, solange der andere Elternteil noch nicht volljährig ist (§ 1678 BGB).

Im Fall der Trennung gemeinsam sorgeberechtigter Eltern kann das Familiengericht auf Antrag eines Elternteils diesem die elterliche Sorge oder einen Teil der elterlichen Sorge allein übertragen. Dies gilt insbesondere, wenn zu erwarten ist, dass die Aufhebung der gemeinsamen Sorge und die Übertragung auf den Antragsteller dem Wohl des Kindes am besten entspricht (§ 1671 Abs. 1 Nr. 2 BGB).

Wenn das Kindeswohl objektiv gefährdet ist, hat das Familiengericht Schutzmaß-nahmen zu ergreifen, bis hin zur teilweisen oder vollständigen Entziehung der elterlichen Sorge und Übertragung auf einen Vormund bzw. Ergänzungspfleger (§ 1666 BGB). Entsprechende Maßnahmen kann auch ein Elternteil beantragen.
 

Grundsätzlich sollen nur Volljährige heiraten. Wer minderjährig ist und das 16. Lebensjahr vollendet hat, darf aber einen Volljährigen heiraten, wenn das Familiengericht eine entsprechende Befreiung erteilt hat (§ 1303 BGB). Der volljährige Elternteil übt dann die elterliche Sorge über ein gemeinsames Kind allein aus, soweit die elterliche Sorge des anderen minderjährigen Elternteils noch ruht (§ 1678 BGB).

Die minderjährige Mutter und der minderjährige Vater stehen grundsätzlich noch unter der elterlichen Sorge ihrer Eltern. Die Großeltern haben jedoch keine elterliche Sorge für ihr Enkelkind, es sei denn sie wurden vom Familiengericht als Vormund bestellt. Ist ein Minderjähriger verheiratet oder geschieden, so beschränkt sich das Sorgerecht seiner Eltern auf die Vertretung des minderjährigen Kindes in den persönlichen Angelegenheiten (§ 1633 BGB).

Minderjährige Schwangere können sich vom Jugendamt beraten lassen.


Die Broschüre "Vom Leben berührt" schildert verschiedene Lebenssituationen Schwangerer und zeigt an deren Beispiel die Hilfemöglichkeiten durch die Schwangerschaftsberatung:

  •  Perspektiven für junge Schwangere
  •  Finanzielle Hilfen
  •  die Situation Alleinerziehender und
  •  zur Rechtslage zum Schwangerschaftsabbruch.

Die Broschüre "Schwangerschaft, alles was Sie wissen sollten" bietet ausführliche Informationen rund um Schwangerschaft und Geburt:

  •  Beratungsangebote
  •  Mutterschutzbestimmungen
  •  Gesundheitsvorsorge in der Schwangerschaft sowie
  •  zur Schwangerschaftskonfliktberatung und
  •  zur Adoption.

  

Zusätzliche Informationen

Baby-Timer

Alle wichtigen Termine im Blick: Vom Beginn der Schwangerschaft bis zum dritten Lebensjahr Ihres Kindes. Zum Baby-Timer

pdf als Download

Elternbriefe

Infos zu den Elternbriefen www.elternbriefe.bayern.de