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Kampagne gegen Aufklärungsbroschüre der BZgA

Angriffe in den Medien gegen Passagen der Broschürenreihe „Körper, Liebe, Doktorspiele – zur kindlichen Sexualentwicklung vom 1. – 3. sowie 4. bis zum 6. Lebensjahr“ der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) sorgen in den letzten Tagen für Aufruhr – sowohl bei besorgten Eltern als auch bei tatsächlichen und vermeintlichen Experten.
Die Vorwürfe: Auszüge aus den Broschüren würden unter anderem  „verstörende Sextipps“ geben und seien eine „öffentliche Aufforderung zum Missbrauch von Kindern“.
Erste Reaktionen: Die Bundesfamilienministerin spricht von „grenzwertigen Formulierungen“, hat die weitere Auslieferung der Broschüren gestoppt und lässt die Auflage überarbeiten.
Eine 64-jährige Frau erstattete Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Köln gegen die Autorin sowie die BZgA. Die Anzeige wurde jedoch wegen fehlenden Tatverdachts mittlerweile eingestellt.

Die Autorin der Broschüren, Frau Ina-Maria Philipps, ist Lehrerin und Paar- und  Sexualtherapeutin und als Dozentin für das Institut für Sexualpädagogik in Dortmund (ISP) tätig.
Das ISP hat die Öffnet einen externen Link in einem neuen FensterSachlage und Reaktionen hierauf in einer Übersicht zusammengestellt.
 
Grundhaltungen der Staatlich anerkannten Beratungsstellen für Schwangerschaftsfragen in Bayern finden Sie im Startet den Datei-DownloadRahmenkonzept Sexualpädagogik in Bayern. Einen kurzen Überblick zu diesem Thema finden Sie auch in unserer Rubrik  Öffnet einen internen Link im aktuellen FensterFamilien- und Sexualpädagogik.

Kommentare zum Thema

Staatlich anerkannte Beratungsstelle für Schwangerschaftsfragen des Landratsamtes Roth – Gesundheitsamt

"Körper – Liebe _ Doktorspiele" - Kritik an den Bänden 1. bis 3. und 4. bis 6. Lebensjahr
Wir arbeiten seit vielen Jahren bei verschiedenen sexualpädagogischen Veranstaltungen und Fortbildungen mit den Broschüren (Elternabende in Kindergärten, Fortbildungen für ErzieherInnen)  und können eine Kritik an den Broschüren und deren Inhalt, wie sie derzeit veröffentlicht wird in keiner Weise nachvollziehen. Die zitierten Textpassagen sind aus dem Zusammenhang gerissen und offensichtlich (absichtlich?) falsch interpretiert worden. Wir begrüßen die in den Broschüren propagierte sexualfreundliche Haltung in Bezug auf frühkindliche Sexualentwicklung, die auch Grundlage unserer sexualpädagogischen Arbeit ist. Gerade junge, verunsicherte Eltern haben die Anregungen in den Broschüren sehr positiv aufgenommen. Für uns gibt es keinerlei Zweifel an den wissenschaftlich belegten Fakten in Bezug auf frühkindliche Sexualität. Wir würden Rückschritte in der sexualpädagogischen Arbeit sehr bedauern. Die Gleichsetzung von kindlicher und erwachsener Sexualität kann – wie in diesem Fall geschehen – zu völlig falschen und unangemessenen Interpretationen führen. Sexualität ist eine angeborene Lebensenergie, die nicht geweckt werden muss, aber unterdrückt werden kann. Unserer Erfahrung nach ist es nicht nur wünschenswert, sondern notwendig, dass Kinder ab Geburt eine sexualfreundliche Begleitung und Erziehung in ihrem familiären Umfeld erleben, um sich später u.a. gegen sexuelle Übergriffe zur Wehr setzen zu können und um sich kritisch mit den sexuellen Inhalten verschiedenster Medien ( TV, Internet u.a.) auseinandersetzen zu können.
Wir hoffen sehr, dass die Broschüren auch nach der Überarbeitung (die wir nicht für notwendig erachten) wieder ebenso offen und klar für alle wirklich Interessierten zur Verfügung steht.
Barbara Blinzler, Dipl. Sozialpädagogin (FH)
Christiane Göckler , Dipl. Sozialpädagogin (FH)
Reinhild Hartwig, Dipl. Sozialpädagogin (FH)
Dr. Fritz Oberparleiter, Ltd. Medizinaldirektor

Staatlich anerkannte Beratungsstelle für Schwangerschaftsfragen am Landratsamt – Gesundheitsamt Landshut

Die  in den Medien zitierten Passagen aus den Broschüren sind weder grenzwertig noch missverständlich. Sie sind schlichtweg vorsätzlich aus ihrem ursprünglich fachlich korrekten Gesamtzusammenhang gerissen und geschickt in eine bizarre Argumentationskette eingefügt worden.
Respekt - gut gemacht - Ziel erreicht - Entrüstung groß!
Frau Kuby und ihren Mitstreitern aus rechtskonservativen, katholisch fundamentalistischen Kreisen geht es nicht nur um die Broschüren. Es geht um viel mehr. Man ist überzeugt, der Staat wolle und forciere die „moralische Verwahrlosung“ seines Volkes, es herrsche eine „Zwangssexualisierung durch Staat und Medien“. Eltern und Erzieher erhielten eine „staatliche Anleitung zur Sexualisierung von Kleinkindern“. Lehrer verführten Kinder und Jugendliche innerhalb des Schulunterrichts zur Homosexualität, Bisexualität und Transsexualität. Und warum das alles? Der Staat fördere deshalb die Triebhaftigkeit und moralische Verwahrlosung seiner Bürger, um sie dann später „gebrauchen und missbrauchen“ zu können. Schöne neue Welt!
Wir teilen diese Ansicht nicht und somit war es unseres Erachtens vorschnell und falsch, die Broschüren einzuziehen und zu „überarbeiten“.  Man hätte sich einer offenen Diskussion – fachlich und ideologisch - stellen sollen.
Elfriede Gürtler, Doris Wiesböck, Klaus Lorenz, Reinhold Bieramperl

Staatlich anerkannte Beratungsstelle für Schwangerschaftsfragen
Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim – Abt. Gesundheitsamt, Konrad-Adenauer-Str. 2, 91413 Neustadt/Aisch

Seit einiger Zeit werden die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung(BZgA), die Verfasserin der o.g. Broschüre und die Inhalte der Publikation von konservativ-fundamentalistischen Gruppierungen kritisiert. Zusätzlich werden von Frau Kuby u.a. auch Vorwürfe gegen Sexualpädagogik per se („Sexualisierung der Gesellschaft“) sowie gegen die Gleichstellung von Mann und Frau (Gender-Mainstreaming-Konzept) laut.
Als Stichworte seien hier „Frühsexualisierung“, „Zersetzung der Gesellschaft“ und „Totalitarismus“ genannt.
Als langjährig sexualpädagogisch Tätige verwehren wir uns gegen die Kampagne von Frau Kuby und Co und unterstützen die fachlich und wissenschaftlich fundierten Aussagen der Broschüre „Körper, Liebe, Doktorspiele“ und fordern die BZgA auf, die kostenfreie, jedoch wertvolle Broschüre auch in Zukunft und ohne Überarbeitung abzugeben.
Dazu einige Argumente:

  • Sexualität ist eine Lebensenergie, die Menschen von der Geburt bis zum Tod begleitet
  • Sexualfreundliche Erziehung zielt auf Selbstbestimmung, Selbstverantwortung und Partnerverantwortung
  • Zeichen einer gesunden psychosexuellen Entwicklung des Kindes ist von Anfang an die lustvolle Erkundung aller Teile des Körpers –ohne die genitale Fixierung vieler Erwachsener!
  • Sexualpädagogik stößt die Wahrnehmung eigener Grenzen an, läßt Echtheit (Übereinstimmung von Verstand und Gefühl) im Kontakt entstehen, Autonomie wachsen, verhilft eigene und fremde Scham sowie Abgrenzung zu respektieren
  • Die Art und Weise des emotional-körperlichen, liebevollen Eltern-Kontaktes hat immer den Bedürfnissen des Kindes zu entsprechen und darf - selbstverständlich - nicht der (genitalen) Bedürfnisbefriedigung von Erwachsenen dienen
  • Nur was Kinder von Anfang an in liebevoll-wahrnehmender Art und Weise kennenlernen und benennen durften, führt zu Annahme und Wertschätzung des Körpers und der eigenen Person. Hier gilt: nur was ich schätze, kann und will ich schützen!
  • Sexualfreundliche Erziehung in der Familie und Sexualpädagogik durch Fachleute ist somit der beste Schutz vor sexuellen Grenzverletzungen sowohl im Kindes- und Jugendalter als auch im Erwachsenenalter!

Brigitte Bauer-Kuklinsky - Dipl. Sozialpädagogin, Sexualpädagogin, Gestalttherapeutin (DVG), Lehrbeauftragte für Sexualpädagogik
Ulla Schiller-Irlbacher - Dipl. Sozialpädagogin, PEKiP-Gruppenleiterin
Wolfgang Schmidt - Dipl. Sozialpädagoge, Sexualpädagoge, Paar- und Familientherapeut, Lehrbeauftragter für Sexualpädagogik
Dr. med. Kurt Lorber - Medizinaldirektor

10.08.2007 06:48 Alter: 4 Jahre
 
 

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Letzte Aenderung: 28.07.2010